Katrin Haudel und Christoph Neumann
Hoteldirektor des Courtyard by Marriott Christoph Neumann über die Hotellerie im Lockdown. Foto: FLOW WOLF

Die Corona-Pandemie stellt vor allem die Hotellerie und Gastronomie vor eine große Herausforderung. Der Regelbetrieb in der Hotelbranche ist stark eingeschränkt – so auch hier bei uns in Wolfsburg. Wir sprachen mit dem Hoteldirektor des Courtyard by Marriott, Christoph Neumann, über die herausfordernde Zeit in der Pandemie, Hilfsmöglichkeiten und die neue Verantwortung der Auszubildenden.

Gäste und Hilfen bleiben aus

Im Hotel Courtyard by Marriott, mit seinen 152 Zimmern im Allerpark Wolfsburg, ist es derzeit ziemlich still. Nach mittlerweile einem knappen Jahr der Pandemie bleibt das Geschäft weiterhin aus.

„Hilfen und Unterstützung, die im Oktober letzten Jahres zugesagt wurden, sind weiterhin nicht in den Betrieben angekommen“, erklärt Neumann, der auch international bereits einige Erfahrungen in seiner Branche sammeln konnte und vor seiner Zeit in Wolfsburg für das Tschuggen Grand Hotel in Arosa (Schweiz) als Deputy Assistent Manager verantwortlich war. „Bis wir als Hotelbetrieb den Höhepunkt der Krise überwunden haben, wird es noch eine Zeit lang dauern, da die Lasten des Vorjahres 2020 in 2021 enorm hoch sind“, sagt er weiter, „und es wird schon über weitere Monate der Schließung spekuliert.“

Die Businesskunden, die normalerweise überwiegend unter der Woche zu Gast im schönen Hotel am See sind, bleiben größtenteils im Home Office und reisen derzeit nicht an. Da die Bewirtung nur noch auf dem Zimmer zulässig ist, ist auch der gastronomische Umsatz fast nicht mehr existent. Den Service wolle das Hotel seinen Gästen trotzdem ermöglichen und werde dies weiter durchführen.

Netzwerken und nach vorne schauen

Kaffee und Snacks im Courtyard
Derzeit gibt es nur Snacks und Kaffee To-Go im Courtyard. Foto: FLOW WOLF

Ein Erholungswochenende am schönen Allersee, einen heißen Kaffee auf der Sonnenterrasse des Hotels oder eine Woche Auszeit mit der Familie, all das findet seit langem nicht mehr statt. „Es geht nicht nur uns so, auch die umliegenden Attraktionen, wie das Badeland, der Hochseilgarten, die VW- und Eis-Arena haben keinen Betrieb. Nicht zu vergessen die Gastronomie und der Einzelhandel.“

Der Hoteldirektor, der außerdem zum Vorstand des CMT – dem Wolfsburger Netzwerk für Handel, Tourismus und Wirtschaft – zählt, engagiert sich für seine Branche und auch gerne darüber hinaus. Regelmäßig tagt er über Videokonferenzen via Zoom oder Microsoft Teams, mit einem Netzwerk aus Führungskräften, um bestmögliche Lösungswege aus der Krise zu erarbeiten. Der Austausch untereinander sei jetzt wichtiger denn je, um Ideen zu entwickeln und Richtung Zukunft zu schauen.

So weist auch Christoph Neumann auf die Nutzung der „WeCard“ hin, eine von der WMG Wolfsburg Wirtschaft und Marketing GmbH ins Leben gerufene Möglichkeit, Gutscheine für ortsansässige Dienstleister, Geschäfte und Gastronomen zu erwerben. Die WeCard bietet unter anderem ein digitales Gutscheinsystem, mit dem Wolfsburg als Wirtschaftsstandort unterstützt wird. Mehr zur WeCard erfährst du im Artikel „Zusammenhalt“ von Iris Ernst ab Seite 28.

„Es macht Sinn Gutscheine zu kaufen und diese dann aber erst eine Zeit nach der Öffnung einzulösen, so dass die Betriebe ein paar Wochen haben, um wieder Einnahmen deklarieren zu können“, erklärt Neumann. Gewinne habe dadurch keiner, es gehe lediglich darum Existenzen zu sichern und zu erhalten. Auch bei Kurzarbeit bleibe ein großer Teil der Kosten auf dem Unternehmen lasten.

Trotz der herausfordernden Situation in seiner Branche verliert der Hoteldirektor nicht den Blick nach vorn. „Natürlich genieße ich auch, wo es geht, die neu gewonnene Zeit mit der Familie. Meine zwei Jungs genießen die Zeit mit Papa zu Hause“, sagt der Leiter des Hotels am Allersee.

Azubis und dual Studierende übernehmen Verantwortung

„Wir haben außerdem den Auftrag unsere Auszubildenden sowie die dual Studierenden im laufenden Betrieb zu schulen, das ist uns wichtig. Unter anderem aus dem Grund war eine Schließung des Hotels zu keiner Zeit eine Option für uns“, sagt Christoph Neumann.

„Unsere Studierenden und Azubis freuen sich über die neu gewonnene Verantwortung und die Herausforderung selbst mehr mitzudenken und weitgehendere Aufgaben zu übernehmen“, sagt der Hotelmanager. „Sie sind eine zunehmende Stütze. Es fordert sie, aber man merkt auch, dass sie stolz sind auf das was sie da machen.“

Die jungen Menschen seien tagsüber nun „Chef am Empfang“. Wenn sie nicht weiterkommen, ist der Hoteldirektor höchstpersönlich ihr Ansprechpartner. „Sie arbeiten am Nachmittag alleine im Housekeeping, checken die Zimmer und machen alle Abläufe alleine“, so Neumann. Bei Rückfragen sei er auch hier für sie da und fasse bei Bedarf auch selbst mit an.

Der Hotelbetrieb läuft mit einem kleinen Kreis an Mitarbeitern und den Auszubildenden sowie Studierenden weiter. Die Facharbeiter decken die Randzeiten und das Wochenende ab. Die Schulungen der Auszubildenden werden ebenfalls von ihnen übernommen. Mit einem guten internen Konzept sowie zwei festen Kernteams, mache man das Bestmögliche aus der schwierigen Situation.

Eine kleine Anzahl an Hotel- und Stammgästen bleibe dem Courtyard by Marriott erhalten, diesen wolle man weiterhin ein zweites Zuhause sein. Hierrunter zähle zum Beispiel auch die ein oder andere Fußballmannschaft. Und auch für die Gäste des Allerparks wolle man die Anlaufstelle für einen Kaffee to go bleiben. Der Spaziergang um den See oder die Fitnessgeräte unter freiem Himmel seien derzeit doch eine gute Möglichkeit sich trotz des Lockdown zu bewegen.

Der Hoteldirektor Christoph Neumann, der sich selbst als Teamplayer beschreibt, ist sicher „mit der richtigen Unterstützung und guten Ideen schaffen wir das und freuen uns auf die Zeit nach der Pandemie.“ KH