Offroad-Fahrt in der Autostadt Wolfsburg / Foto: FLOW WOLF

Der Offroad-Fahrassistent

Gesprächsstoff, Julia Lübcke, Magazin

Mit „Ein herzliches Willkommen an Bord“ begrüßt uns Tobias Hummel, der Instructor für unsere Offroad-Fahrt in der Autostadt ist.

Hindernisse überwinden beim Autostadt GeländeParcours

Offroad-Fahrt in der Autostadt Wolfsburg / Foto: FLOW WOLF

Den Kipppunkt der Wippe muss man Zentimeter für Zentimeter ausloten / Foto: FLOW WOLF

Unser Gefährt kann sich sehen lassen: V6 TDI, drei Liter Hubraum, 255 PS. Die erste Runde übernimmt erst einmal unser Instructor, damit er uns Hindernis für Hindernis alles erklären kann: Worauf muss ich achten? Welcher Fahrassistent greift wo und wie ein? Welche Zusatzfunktion muss ich wann aktivieren? Ganz schön viel Input, doch Tobias Hummel gibt später auf dem Beifahrersitz wertvolle Tipps. Tobias Hummel weist bei der Fahrt im Amarok darauf hin, dass wir den Parcours im ersten Gang der Tiptronic durchlaufen werden, damit „im Offroad-Modus die Automatik zum Schutz des Motors nicht vor Überdrehungen eingreift und hochschaltet“. Das erste Hindernis ist ein 30 Zentimeter tiefer Wassergraben, bei dem man zur richtigen Zeit Gas geben muss. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt. Das zweite Hindernis ist ein Hügel mit 20° Steigung. Wir bleiben auf halber Strecke nach oben stehen und der Assistent greift ein, um im Offroad-Modus kontrolliert mit 4 km/h zurückzurollen.

Fahrassistent ist Gewöhnungssache

Offroad-Fahrt in der Autostadt Wolfsburg / Foto: FLOW WOLF

Beim Verschränkungsmodul berühren nur zwei Räder gleichzeitig den Boden / Foto: FLOW WOLF

Bevor wir das dritte Hindernis bestreiten können, aktivieren wir die Hinterraddifferenzialsperre. Das ist bei dem Verschränkungsmodul besonders wichtig, da hier mehrmals nur zwei Räder gleichzeitig den Boden berühren. Die Sperre sorgt dafür, dass die Kraft nur auf die Räder mit Bodenhaftung übertragen wird. Während dieses Hindernisses kontrolliert Tobias Hummel immer wieder den Stand der Vorderräder, der mit Einschlagwinkel und Richtung im Cockpit des Wagens angezeigt wird. Die Herausforderung hier ist es, „dem menschlichen Verlangen, dem Hindernis auszuweichen, nicht nachzukommen“. Auf halber Strecke des Hindernisses stoppen wir und spüren den Wippeneffekt, der entsteht, sobald das Fahrzeug jeweils vorne und hinten nur mit einem Rad den Boden berührt. Nummer vier ist die Treppe, die wir mit 10 km/h erklimmen. Ungebremst geht es dann wieder herunter, wobei das Fahrzeug bei maximal 10 km/h eigenständig eingreift. Das fünfte Hindernis ist das Seitenneigungsmodul mit bis zu 28 ° Neigungswinkel. Allgemein schafft der Amarok fast 50 °, wobei 45 ° an dieser Stelle als 100 % gelten.

Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt

Offroad-Fahrt in der Autostadt Wolfsburg / Foto: FLOW WOLF

Im Felsenplateau erwarten uns 20-Grad-Seitenneigung am Hang / Foto: FLOW WOLF

Danach erwarten uns das ausgetrocknete Flussbett und das Felsenplateau mit jeder Menge unterschiedlich großer Steine. Wir fahren eine Schleife, um die 20-Grad-Seitenneigung am Hang für alle Insassen einmal oben und einmal unten spürbar zu machen. Das achte Hindernis finde ich persönlich sehr spannend. Hierbei handelt es sich um eine Wippe, deren Kipppunkt man Zentimeter für Zentimeter ausloten muss. Hier ist echtes Fingerspitzengefühl gefragt. Hindernis neun kennen wir bereits: Es ist ein erneutes Verschränkungsmodul. Auch Hindernis Nummer zehn ist uns bereits bekannt. Allerdings besitzt dieser Hügel eine Steigung von 30 °. „Hier oben dann gerne die Aussicht genießen, durchatmen. Bei mir geht´s mit 400 Meter freiem Fall runter“, scherzt Tobias Hummel. Über das elfte Hindernis, die Hängebrücke, geht es dann schon zum letzten Hindernis. Das stellt sich als knifflig heraus, denn die Baumstämme sollten möglichst mit Versatz überrollt werden, d.h. ein Rad fährt Stamm für Stamm herüber. Zurück am Startpunkt angekommen werden die Plätze getauscht und Ingo übernimmt das Steuer. Bei der Wasserdurchfahrt öffnet unser Instructor die Beifahrertür und fragt: „Sollen wir mal nachgucken, ob er es gut macht? Oder hat jemand nasse Füße gekriegt?“ Wenn man die Unterstützung der Fahrassistenten nicht gewohnt ist, fällt es schwer, in gewissen Situationen zu bremsen oder Gas zu geben. Tobias Hummel erklärt uns: „Das ist Kopfsache: a) den Assistenten kennen und b) dem Assistenten vertrauen.“ Dafür und für den Spaß sind die Offroad-Fahrten gut geeignet. „Zudem lernt man – gerade als Autoabholer – sein neues Fahrzeug besser kennen“, sagt der Autostadt-Mitarbeiter.

Führerschein ist Pflicht

Offroad-Fahrt in der Autostadt Wolfsburg / Foto: FLOW WOLF

Gerne dürfen weitere Beifahrer im Auto sitzen und die Fahrt genießen / Foto: FLOW WOLF

Voraussetzung für eine Fahrt sind ein gültiger Führerschein, 0 Promille und ein vorher vereinbarter Termin. Gerne dürfen weitere Beifahrer im Auto sitzen und die Fahrt genießen, die an 363 Tagen im Jahr im 45-Minuten-Takt angeboten werden. Der kleine und große GeländeParcours sind auch bei schlechtem Wetter einen Besuch wert. Tobias Hummel berichtet uns, dass die Fahrt bei beispielsweise Reif oder Frost besonders viel Spaß macht, da die Technik hier vielmehr gefragt ist. Tobias Hummel ist einer von 14 Mitarbeitern, die für die Fahrerlebnisse in der Autostadt zuständig sind, für die er seit 2006 in verschiedenen Abteilungen tätig ist. Er zählt zu den Quereinsteigern, die meisten seiner Kollegen sind ehemalige Fahrlehrer oder Busfahrer. Was man mitbringen muss, um Instructor zu werden? Eine gewisse Affinität zum Fahrzeug, einen gültigen Führerschein, die Berechtigung, Personen im öffentlichen Straßenverkehr befördern zu dürfen und einen Gesundheitscheck. Auf die Frage, welches Hindernis sein Favorit ist, gibt Tobias Hummel gleich mehrere Antworten: zum einen das Verschränkungsmodul, „wo der Wagen dann wirklich das Beinchen hebt“ und auf der anderen Seite das Felsenplateau, „denn mal Hand aufs Herz: Wann bewegen wir Menschen uns mit derartigen Seitenneigungen?“ Falls du dich nicht traust, ist eine Fahrt auf dem Parcours auch ein schönes Geschenk.