Little Martin Madita E. Heubach und Christopher Ehrlich

Martin: Ein Buch von Kindern für Kinder

Gesprächsstoff

„Martin“ lautet der Titel eines Kinderbuchs, das in der St. Petrus Gemeinde im Rahmen des 500. Reformationsjahres entstand. Von Madita E. Heubach

Bibelwoche eröffnetet das Projekt Martin

Auch Britta Rollar vom Tanzenden Theater Wolfsburg unterstützte die Kinder

Auch Britta Rollar vom Tanzenden Theater Wolfsburg unterstützte die Kinder. / Foto: Andreas Keudel

Bereits das gesamte Kitajahr gestaltete sich thematisch getreu nach dem berühmten Reformator unserer Geschichte. Martin Luthers Leben sollte für die Kinder greifbar werden, obwohl seine Zeit bereits vor 500 Jahren lag. Neben regelmäßigen kulinarischen Ausflügen ins 15. Jahrhundert, eröffnete die Bibelwoche vom 15. bis 19. Mai 2017 offiziell das Projekt „Martin“. Gemeinsam mit der Künstlerin Antje Koos und selbstverständlich dem Team der Kita, erstellten die Kinder Theaterkulissen und schneiderten Kostüme. Mithilfe dieser Requisiten spielten sie die wichtigsten Lebensabschnitte des Reformators nach. Dazu gehörten seine Geburt, die Schule, das Bergwerk in dem sein Vater arbeitete, sein Aufenthalt im Kloster und schließlich der berühmte Thesenanschlag. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Geschichte des Buchs „Martin“.

Projektstart im Atelier Café

Doch bevor dieses entstehen konnte, verabredeten sich der Initiator und Kita-Leiter Detlef Heubach, Probst der Gemeinde St. Petrus Dr. Ulrich Lincoln, Verleger und Autor Christoph Peter Ehrlich sowie Autorin Madita E. Heubach, zu einem ersten Treffen im gemütlichen Atelier Café. Es war März 2017 und bisher stand nur die Idee: Ein Buch zu Martin Luther als handfestes Projekt des Lutherjahres. Wie sollte dies umgesetzt werden? Welche Geschichte um den Reformator sollte erzählt werden? Und schließlich, wie konnte man die Kinder mit einbeziehen?

Eines war von Beginn an klar, wir wollten keine Biografie schreiben. Davon gibt es bei Weitem genug, auch für Kinder. Wir wollten das, wofür Martin Luther steht, für die Kinder greifbar machen. Demnach beschäftigten wir uns mit seinen Thesen. Wir beschlossen, sechs große Themenbereiche aus seinen 95 Thesen herauszufiltern: Liebe, Schatz, Angst, Gott, Himmel und Hölle. Zu diesen Themen befragten Christoph und ich die Kinder der Vorschulgruppe „BUTZE“ der Kita St. Petrus an fünf Vormittagen. Zusätzlich beschäftigte sich Britta Rollar vom Tanzenden Theater Wolfsburg schauspielerisch mit den Kindern zu diesen Themen. „Nun galt es für die Kinder, ihren Erzählungen Authentizität zu geben – durch Mimik und Ausdruck“, kommentiert Detlef Heubach.

Erzählung aus Kindersicht

Martin erscheint im Ehrlich Verlag

Martin erscheint im Ehrlich Verlag / Foto: Andreas Keudel

Die Kinder erzählten uns ihre Gedanken zu den Begriffen. Wie verstanden sie diese? Welche Erfahrungen hatten sie damit schon gemacht? Wie fühlten sie sich an? Außerdem malten sie viele schöne Bilder, um ihre Vorstellungen zu verbildlichen. Diese kleinen Kunstwerke landeten als Thesenpapiere an der Kirchentür in unserem Kinderbuch. Mit den wundervollen und teils erfrischend fantasievollen Zitaten der Kinder entstand die Geschichte. Martin schlägt nachts seine Thesen an die Tür einer Kirche. Die Bewohner des Dorfes werden von dem Lärm angelockt und kommen mit dem Reformator ins Gespräch. Der kleine Martin, wie er von uns in dem Buch beschrieben wird, unterhält sich folglich ausführlich mit den Menschen über die Inhalte seiner Thesen. Dabei werden Fragen wie „Was ist denn die Liebe?“ und „Wer ist denn dieser Gott?“ mit den zuvor gesammelten Zitaten der Kinder beantwortet. Das harmonische Gespräch wird nach einer Weile plötzlich von der Polizei unterbrochen und die Geschichte nimmt ab hier ihren Lauf, den ich nicht weiter verrate.

Entstanden ist ein Bilderbuch von Kindern für Kinder

„Das Kinderbilderbuch bringt verschiedene Perspektiven zusammen. Erstens die Geschichte Martin Luthers, diese aber konsequent ‚von unten‘ erzählt, d.h. mit den Augen von Kindern, in der Sprache und mit den Fragen von Kindern. Zweitens ist da die Ebene der Bilder – eine Bilderwelt, die ganz aus der Spannung von Geschichte und Gegenwart lebt“, erzählt Dr. Ulrich Lincoln.

Diese Bilder entstanden mit den Fotografen Andreas Keudel und Francisca Schmidtke. Sie verkleideten die Kinder mit den vor Wochen geschneiderten Kostümen, stellten sie vor historische Kulissen wie dem Dom in Königslutter, der Burg Neuhaus und der Kirche St. Petrus, und inszenierten die Szenen aus dem Kinderbuch. „Die Art und Weise, wie die Kinder einbezogen wurden in die gesamte Gestaltung, die Geschichte, die Fotos, die Inszenierung, war ein besonderer Prozess für die Erstellung des Buches. Die Beteiligung der Kinder gehört zum Konzept, und dies sieht man dem Buch auch an. Es ist ein Buch für Kinder von Kindern“, kommentiert Dr. Ulrich Lincoln.

Über den Gestaltungsprozess hinaus soll dieses Kinderbuch den pädagogischen Einrichtungen aber auch privaten Haushalten eine Hilfe sein, mit den Kindern ins Gespräch über die historische Figur Martin Luthers zu kommen. Hier sollen Brücken geschlagen werden von der Historie in die Gegenwart und nicht zuletzt in bereichernden Gesprächen zwischen Erwachsenen und Kindern. „Am Ende haben die Kinder im Kontext zu Luther vor 500 Jahren die Wertschätzung und Bedeutung seiner Thesen gegenwärtig neu definiert und somit den Stellenwert und die historische Bedeutung heute durch dieses Kinderbilderbuch neu abgebildet. Es war beeindruckend, wie die Kinder in ihren Rollen den kleinen Martin zum Leben erweckten“, erzählt Detlef Heubach.

Auf einer weiteren Ebene soll der Gestaltungsprozess des Buchs als Medium den pädagogischen Einrichtungen als Vorbild dienen, Kreativität einerseits und Medienkompetenzen andererseits zu fördern. So beschreibt Christoph Peter Ehrlich: „Das Projekt hat vor allem die Kreativität der Kinder angeregt. Sie malten Bilder zu den Begriffen, sie verkleideten sich für die Rollen in der Geschichte und schauspielten vor der Kamera. Sie lernten aber auch einiges zum Thema Gesprächskultur und Diskussion, nämlich in den Sitzungen, in denen wir uns über die Begriffe unterhielten. Und sie wurden dazu angeregt, ihre Meinung frei zu äußern.“

Am 31. Oktober 2017 wird das Buch veröffentlicht

Am 31.10.2017, auf dem großen Lutherfest der Gemeinde in, um und neben der St. Petrus Kirche in Vorsfelde, wird das Buch schließlich veröffentlicht. Alle Hintergründe zu dem Projekt sowie ein Link für die Vorbestellungen auf: www.martin-daskinderbuch.de