Mathehilfe24 / Foto: FLOW WOLF

Mathelernen im digitalen Zeitalter

Gesprächsstoff, Madita E. Heubach, Magazin

Radiomoderator Stefan Gelhorn und Mathelehrer Vitali Pritzkau gründeten 2010 „Mathehilfe24“ mit dem Ziel, jedem Schüler Mathe zugänglich zu machen. Sie haben neben einer ganzen Reihe an Youtube-Videos dazugehörige Lehrbücher geschrieben, um auch die kompliziertesten Sachverhalte verständlich werden zu lassen.

Moderne Technik

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Stefan Gelhorn und Vitali Pritzkau (v.l.) – die Gründer von Mathehilfe24 / Foto: FLOW WOLF

Vitali Pritzkau merkte nach seinem Referendariat schnell, dass viele Schüler wegen des engen Lehrplans vor allem im Matheunterricht auf der Strecke bleiben. Es reiche schon aus, dass ein Schüler aufgrund von Krankheit einige Tage fehle. Als Lehrer hätte man keine zeitlichen Ressourcen, um den Schülern die einzelnen Themen mehrmals zu erklären und sie im Unterricht lange zu üben. Wer dann keine Möglichkeit hat, das Verpasste zuhause oder mit Nachhilfe aufzuholen, hinke bald zu weit hinterher, um langfristig mithalten zu können. Schließlich baue bei der Mathematik ein Thema auf dem anderen auf. Deshalb bediente sich der junge Mathelehrer bald der modernen Technik und nahm Lernvideos für den eigenen Unterricht auf, damit die Schüler zuhause das Thema mithilfe seiner aufgezeichneten Erklärungen aufarbeiten konnten. „Es macht mir Spaß komplizierte Sachverhalte so herunterzubrechen, dass jeder sie verstehen kann“, erzählt Vitali Pritzkau.

Probleme direkt in der Schule anpacken

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Stefan Gelhorn war in seiner Studienzeit als Tutor in der Nachhilfe tätig / Foto: FLOW WOLF

Über die Gemeinde lernte er den Medienwissenschaftler und Radiomoderator Stefan Gelhorn kennen. Nach einer Veranstaltung unterhielten sie sich auf dem Heimweg in der Fahrgemeinschaft über das Thema Lernvideos und Mathenachhilfe. Stefan Gelhorn hatte während seiner Studienzeit ebenfalls viele Erfahrungen als Tutor in der Nachhilfe gesammelt. Schließlich fragte Vitali Pritzkau frei heraus, ob sie gemeinsam Lernvideos professionell aufnehmen wollen, um den Bedarf an kostengünstigem Nachhilfeunterricht für das Horrorfach Mathe zu decken. Gemeinsam wollen sie die Probleme direkt in der Schule anpacken, indem sie Lehrbücher schreiben, die mit begleitenden Lernvideos verknüpft sind. Dieses zusätzliche Material soll die Lehrer in ihrer Arbeit unterstützen. „In meiner Schulzeit haben die Möglichkeiten, die uns die Digitalisierung heute bietet, wirklich gefehlt“, erzählt Stefan Gelhorn. „Wenn die Voraussetzungen stimmen, kann man damit das Interesse der Schüler neu wecken.“ Das bedeute jedoch, dass man nicht allein den Unterhaltungsfaktor ausnütze, sondern die Schüler gezielt auf einen erfolgreichen Schulabschluss vorbereite. Dazu müsse durchdacht werden, wie und an welcher Stelle der Einsatz von welchen Medien sinnvoll ist. „Man darf nicht digitalisieren, um der Digitalisierung Willen.“ Es gebe viele digitale Angebote, die lediglich kurzfristige Motivation wecken aber keine langfristigen Lernerfolge erzielten, kritisiert Vitali Pritzkau. Außerdem sei es nicht die Lösung, alle Lehrbücher zukünftig einfach digital anzubieten. Schließlich bräuchten die Schüler auch haptische Materialien, also Papier zum Anfassen, und sie müssten in der Lage sein, geometrische Zeichnungen mit Stiften zu fertigen.

Mathematik für jeden zugänglich machen

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Die Lehrbücher ermöglichen ortsunabhängiges Lernen / Foto: FLOW WOLF

Die Lehrbücher von „Mathehilfe24“ ermöglichen es dem Schüler, jederzeit und ortsunabhängig zu lernen. Die schriftlichen Erklärungen sind genau auf die dazugehörigen Videos abgestimmt. Die Lernvideos böten den Schülern selbstständiges Lernen mit einem ihnen bekannten Unterrichtsformat. Es gibt ein Angebot an Übungsaufgaben mit ebenfalls dazugehörigen Erklärvideos. Wenn der Schüler also an einer bestimmten Stelle der Aufgabe nicht weiterkommt, kann er den QR-Code einscannen und das Erklärvideo starten, um Hilfe zu erhalten. „So können sich die Schüler bestens auf den Unterricht vorbereiten“, versichert Vitali Pritzkau. „Bisher erhalten wir viel positives Feedback von den Schülern. Nur Kleinigkeiten werden bemängelt, die wir dann schnellstmöglich verbessern.“ Im Nachhilfeunterricht würden zwar ebenfalls schwierige Aufgaben begleitend gelöst, doch ob der Schüler das Thema wirklich verstanden hat, sei meist nicht garantiert, kritisiert Vitali Pritzkau. Denn hier liege der Fokus auf dem Lösen der Aufgaben und dem Bestehen von Klausuren, weniger auf dem Verständnis der Inhalte. „Wenn der Lehrer unsere Bücher und Videos einsetzt, verfallen bald all die bekannten Probleme der Schüler, nämlich dass ihre Eltern ihnen das nicht erklären konnten, sie sich Nachhilfe nicht leisten könnten oder sie die Hausaufgaben nicht verstanden hätten“, ist Vitali Pritzkau überzeugt. Die Inhalte der Mathematik würden mithilfe ihres Konzepts für jeden zugänglich gemacht werden. Für die Wolfsburger Schulen stehen alle Lernvideos kostenlos zur Verfügung. Dazu haben die Gründer von „Mathehilfe24“ in der Vergangenheit bereits eingeladen. Bei Interesse müssten sie lediglich kontaktiert werden und der Link zur Freischaltung wird sofort übermittelt.

Mathecoach to go

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Stefan Gelhorn und Vitali Pritzkau im Interview mit Madita E. Heubach / Foto: FLOW WOLF

Zukünftig wollen sie außerdem den „Mathecoach to go“ auf den Markt bringen. Mit diesen Lehr- und Arbeitsheften werden einzelne Themenblöcke mit unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen behandelt, sodass die Materialien unabhängig von Bundesland und Schulform eingesetzt werden können. Damit soll das Problem umgangen werden, für 16 verschiedene Curricula Lehrbücher zu produzieren, die alle paar Jahre umgeschrieben werden müssten. Bis zu den Sommerferien im kommenden Schuljahr sollen zehn Bücher dieser Art und die dazugehörigen Lernvideos erscheinen. Diese Lern- und Arbeitshefte „werden so aufgebaut, dass man sie im Unterricht einsetzen kann und die Schüler relativ selbstständig die Seiten bearbeiten können“, erklärt Vitali Pritzkau. Für die Wolfsburger Schulen wird es zu den neuen Heften außerdem einen Fragebogen geben, um mithilfe der Ergebnisse das Konzept ideal weiterentwickeln zu können.