Bus vom Amselkaffee wird beladen

Online Marktplätze im Handumdrehen

Gesprächsstoff, Ingo Bartels

Geschlossene Schulen und Geschäfte, Lieferservice oder Abholzeiten in der Gastronomie sowie geänderte Öffnungszeiten in fast allen Bereichen des täglichen Lebens haben unseren Alltag massiv verändert.

Digitaler Kundenkontakt wird immer wichtiger

Frau arbeitet am Laptop
Annika Cloodt unterstützt die lokalen Geschäfte. / Foto: Annika Cloodt

Plötzlich fragt man sich, wer oder was hat geöffnet. Und falls es geöffnet hat, wann hat es geöffnet. Gibt es einen Lieferservice? Kann ich Ware abholen? Öffnet der Baumarkt auch für Kunden ohne Gewerbeschein? Alles Fragen, die unseren Alltag einige Wochen bestimmten und vor März 2020 nicht wirklich vorstellbar waren. Neben all diesen Fragen, beherrscht ein weiteres Thema das Tagesgeschäft: Ist mein Unternehmen digital genug aufgestellt? Denn die digitalen Möglichkeiten beziehen sich nicht nur auf den Kundenkontakt, sondern auch auf die Mitarbeiter, die oftmals aus dem Homeoffice agieren müssen. Klar ist außerdem, dass nicht erst seit der Pandemie jedes Unternehmen verstanden haben sollte, dass es ohne digitale Präsenz zukünftig nicht mehr gehen wird. Denn die Stammkundschaft, die bisher analog gut zu erreichen war, hat auch verstanden, dass man im Internet und auf den sozialen Medien schneller und aktueller an die benötigten Informationen und Waren kommt. Daher sollten kurz- bis mittelfristige Maßnahmen, wie die Pflege der Website, Suchmaschinenoptimierung, Aktualisierung der Öffnungszeiten auf sämtlichen Buchungsportalen und Social Media, ergriffen werden, um die (jüngere) Zielgruppe jetzt an das Unternehmen zu binden.

Hilfe über Instagram

Mann mit Kaffeetasse
Daniel Oliver bot über Instagram seine Hilfe an./ Foto: Daniel Oliver

Dass es möglich ist mit kleinen Mitteln große Reichweiten zu erzielen, zeigen die vielen Initiativen, die sich in Windeseile auf Instagram entwickelt haben. Schon am 18. März 2020 bot Kaffeeröster Daniel Olivier auf Instagram an, alle Wolfsburger Gastronomen und Gewerbetreibenden zu unterstützen, die keinen eigenen Online Shop besitzen. Zudem wurden für sämtliche Bestellungen die Versandkosten erlassen. „Der Corona Shutdown trifft gerade die kleinen und kleinsten Unternehmen sehr hart“, erklärt Olivier seine freiwillige Bereitschaft zu helfen. Am 19.03.2020 startete die Seite localdealer_wob von Amsel Kaffee Inhaber Sebastian Fork und seinen Mitarbeitern, um auf Instagram und einer eigens angelegten Website verschiedenste Wolfsburger Produkte, z.B. von Imkerei Temme, Buchhandlung König, Casa España und Milchhof Gehrke, anzubieten. Der Clou dabei ist, dass jeden Mittwoch und Samstag die Bestellungen ausgeliefert werden.

Lokale Läden unterstützen

Kaffeebohnen im Lager.
Ein großer Vorrat an Kaffeebohnen ist bereit zum verschicken./ Foto: Daniel Oliver

Am 22. März 2020 launchte dann supportlocals_wolfsburg von Annika Cloodt, die zwar bei Volkswagen einen sicheren Job hat, aber in ihrem Freundes- und Familienkreis immer mehr die Frage hörte, welche Läden man unterstützen könnte. „Anfangs habe ich selbst auch telefoniert und gesucht, das war total umständlich. Dann fing ich mit einer handschriftlichen Liste an“, erzählt Anni, die auf Instagram eigentlich als Reisebloggerin unterwegs ist. Sie merkte, dass es großes Interesse an ihrer Liste gab und sie ging auf Instagram, um die Angebote zu veröffentlichen. „Ich investiere sehr viel Zeit in die Updates und halte ständig Kontakt zu den Geschäften, die sehr dankbar sind, dass lokal eingekauft wird.“

Online Marktplatz für Dienstleistungen

Schon am 18. März 2020 startete die Wirtschaftsförderung der Wolfsburg Wirtschaft und Marketing GmbH – kurz WMG – die Kampagne „#Stadtvollhelden – statt vollisoliert“ und launchte dazu am 23. März 2020 den Online-Marktplatz für Dienstleistungen, Einzelhandel, Gastronomie und Kultur. Dort erfasste sie Gutscheinangebote, geöffnete Geschäfte und den 24-Stunden-Notdienst der Handwerker. „Der Marktplatz ist Teil unserer Kampagne.“, erklärt Bereichsleiter Marketing Thomas Johannes Müller. Die Kampagne hat das Ziel Wolfsburger zu ermuntern, kleine Gesten und eigene Aktionen mit dem Claim zu fahren. Der Marktplatz soll für die Zeit nach der Pandemie weitergeführt werden, um weiterhin die „lokalen Geschäfte zu unterstützen“.

FLOW WOLF als digitaler Anlaufpunkt

Auch bei FLOW WOLF steckte die Idee, den lokalen Handel und die Gastronomie zu unterstützen, fertig in der Schublade. Ein ausgearbeitetes Konzept, welches es so in der Pandemie-Phase nicht auszurollen galt. Denn es hatte allerhöchste Priorität schnell und kostenlos auf die lokalen Unternehmer aus Gastronomie, Handwerk, Freizeit, Sport und Gesundheit aufmerksam zu machen. Das Ergebnis findest du auf der Website lokal.flow-wolf.de, wo sich bereits an die 50 Unternehmen tummeln. Es gab viel Lob und Dank für die Idee. Bildhauer Rainer Scheer befand die Idee für „nicht leicht und echt mutig“. Durch unsere Reichweite in den sozialen Kanälen (Facebook, Instagram, Pinterest, YouTube, Twitter, TikTok) und der Facebook-Gruppe „Nur für echte Wolfsburger“, konnten wir schnell dafür sorgen, dass das Portal gefunden wird, um den einheimischen Geschäftsleuten aus Wolfsburg und den umliegenden Gemeinden kostenlose Aufmerksamkeit zu ermöglichen. Genau wie der Online-Marktplatz der WMG, soll auch die FLOW WOLF Seite nach der Coronakrise ein digitaler Anlaufpunkt bleiben. Gleiches gilt auch für den FLOW WOLF Stellenmarkt, der gerade kleineren Unternehmen die Möglichkeit geben soll, günstig neue Stellen auszuschreiben. Es wird sich zeigen, ob Wolfsburg verstanden hat, lokaler zu denken und zu handeln. Ich bin mir aber sicher: Die Wolfsburger stehen hinter ihrem Laden um die Ecke und werden in Zukunft genauer prüfen, ob man das Produkt nicht lokal kaufen kann.