Wolfsburger Werbetechniker arbeitet

Werbung hilft

Gesprächsstoff, Joshua Rustenbeck

Geschlossene Läden, verlassene Einkaufspassagen und menschenleere Kaufhäuser. Die Corona-Pandemie zeigt seine hässliche Fratze. Und das trifft vor allem die Selbstständigen und den Mittelstand. In dieser Zeit ist Stärke und Zusammenhalt gefragt.

Die Werbebranche leidet während Corona

Sticker drucken zur Corona Hilfe
In Zeiten von Corona versucht das Werbeteam Seifert so gut wie möglich weiterzuarbeiten. / Foto: Werbeteam Seifert

Und genau das beweist Benny Kuhn. Der gebürtige Wolfsburger ist schon seit vielen Jahren in der Medienbranche tätig. Nach einer längeren erfolgreichen Zusammenarbeit mit dem Werbeteam Seifert übernahm der 44-Jährige Anfang 2020 schließlich das Unternehmen. Doch das erste Jahr als Geschäftsführer verläuft bisher anders, als er es sich wohl vorgestellt hat. Nachdem die Bundesregierung massive Einschränkungen für das soziale und damit auch wirtschaftliche Leben bekanntgab, plagten ihn Existenzängste. „Ich konnte nächtelang nicht zur Ruhe kommen und habe schlecht geschlafen“, erzählt Kuhn. Aber aufzugeben ist für den Wolfsburger keine Option.

Wenn er vor Probleme gestellt wird, geht er diese direkt an und versucht sie zu lösen. Der erste Schritt war dabei eine Mitarbeiterschulung durchzuführen. So können sowohl im Betrieb als auch im Privaten die erforderlichen Hygienemaßnahmen eingehalten werden. Durch die Beachtung aller Hygienevorgaben erschwert sich dementsprechend die Arbeit während der Pandemie. „Es finden keine Termine mehr in unseren Räumlichkeiten statt. Lieferungen und Abholungen von Materialien können nur noch nach genauen terminlichen Absprachen und unter bestimmten Hygienevorgaben ablaufen. Es mussten auch schon langjährige Partner von uns Insolvenz beantragen. Das stimmt mich nachdenklich“, gibt er zu.

Sich gegenseitig helfen

Arbeit mit Maske während Corona
Die Schutzmaske ist bei der Arbeit ein ständiger Begleiter. / Foto: Werbeteam Seifert

Doch vor allem in dieser Extremsituation sollte man auch den Blick für seine Mitmenschen nicht verlieren. Genau aus diesem Grund beschloss der Jungunternehmer, sich zu engagieren. Bedürftige Unternehmen konnten sich bei seiner Firma melden, um kostenlos Informationssysteme, wie z.B. Werbeaufsteller, Kundenstopper, Plakate, Warnwesten und Spuckschutz zu erhalten. Das wurde auch in Zusammenarbeit mit der Werbetechnik Timepoint öffentlich beworben. Der Circus Mirage wurde kostenlos mit Infosystemen ausgestattet, sodass gezielt Werbung für Tierfutterspenden gemacht werden konnte. Außerdem hat seine Firma die Rechnungen bei Unternehmen, die es besonders hart getroffen hat, bis auf Weiteres gestundet. „Grundsätzlich bin ich ein Mensch, der gerne hilft. Ich wollte einfach etwas zum Kampf gegen Corona beitragen und andere Unternehmen unterstützen“, sagt der Werbetechniker.

Doch das alles ist noch nicht genug, selbst das Konkurrenzverhalten zu anderen Unternehmen ist derzeit zweitrangig. Das Werbeteam Seifert, das 3W WerbeWerk Wolfsburg und Timepoint Werbetechnik unterstützen sich in diesen Zeiten gegenseitig. „Wenn es Bedarf an Folien, Infosystemen oder anderen Materialien gibt, kommunizieren wir miteinander und schauen, wer wo etwas spenden und so den anderen unterstützen kann“, erklärt Kuhn.

In schweren Zeiten Engagement zeigen

Folien drucken mit Maske
Die Wolfsburger Werbebranche zeigt Engagement und hält zusammen. / Foto: Werbeteam Seifert

Neben Benny Kuhn leistet auch Mirko Klinger, Geschäftsführer der 3W WerbeWerk Wolfsburg, einen maßgeblichen Beitrag zur Unterstützung lokaler Unternehmen. Durch seine erste Firma Inwire GmbH kam er mit einem ihm bekannten Werbetechniker in Kontakt. Dieser fragte ihn, ob er nicht Lust hätte, eine eigene Werbeagentur zu gründen. Diese Vorstellung gefiel Klinger so gut, dass er sie direkt in die Tat umsetzte. So fand er den Weg in die Wolfsburger Medienbranche. Die Arbeit des 42-jährigen Unternehmers wird durch die Einschränkungen und Folgen des Coronavirus ebenfalls massiv beeinflusst. „Unsere Hauptkunden VfL Wolfsburg, Volkswagen und die Autostadt waren kaum oder gar nicht zu erreichen. Zum Glück erhielten wir trotzdem Aufträge von Kunden, die die Krise nicht so hart traf“, erklärt er. „Als gebürtiger Wolfsburger verspüre ich immer ein Gemeinschaftsgefühl. Auch in normalen Zeiten.“ Aus diesem Grund entschloss er sich, aktiv zu werden und etwas für die Wolfsburger und gegen die Pandemie zu tun. Um den zur Eindämmung des Virus nötigen Abstand in Warteschlangen zu gewährleisten, ließ der 42-Jährige über 1.400 rote Klebepunkte mit der Aufschrift „Abstand halten“ bedrucken. Diese stellte er dann kostenlos Wolfsburger Geschäftsleuten zur Verfügung. Innerhalb von wenigen Tagen meldeten sich über 50 Geschäfte, darunter Apotheken, Bäckereien und sogar die Polizei Wolfsburg. „Wir wollen durch diese Aktion aufklären und die lokalen Unternehmen unterstützen. Neben den Aufklebern stellen wir jetzt auch vermehrt Spuckschutzwände her. Natürlich erhöht sich dadurch auch der Bekanntheitsgrad der eigenen Firma. Aber das ist für mich nur ein netter Nebeneffekt“, gibt Klinger zu. 

Gestärkt in die Zukunft

Die drei Unternehmer haben weder Kosten noch Mühen gescheut, um etwas für die hiesigen Bürger zu tun. Das wurde insbesondere in den sozialen Netzwerk honoriert und gab viel Lob. „Alle Unternehmen sollten in solchen Extremsituationen Stärke beweisen und zeigen, dass sie eine derartige Situation überstehen und für ihre Kunden da sind. Ich selber habe ein unglaublich gutes und motiviertes Team. Mit diesem Wissen können wir gestärkt aus dieser Zeit hervorgehen,“ prognostiziert Benny Kuhn.

Wie lange die Krise noch anhält und inwiefern sie den Alltag noch so massiv beeinflusst wie im März und April 2020, lässt sich leider nicht sagen. Doch eins ist bereits sicher: Nur wenn sich alle an die Hygienevorschriften und an das Social Distancing halten, kann diese Krise bewältigt werden und Normalität zurück in den Alltag einkehren.