Dr. Birgit Rabofski - Bildungshaus Wolfsburg / Foto: FLOW WOLF

Der Bildungsmotor

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Gut zu wissen, Julia Lübcke, Magazin

Bildungshäuser, wie wir es hier in Wolfsburg haben, gibt es gar nicht so oft in einer Stadt“, beginnt Dr. Birgit Rabofski unser Interview. Denn hier in Wolfsburg arbeiten die Volkshochschule, die Stadtbibliothek und das Medienzentrum unter einem gemeinsamen organisatorischen Dach Hand in Hand. Der Gedanke dahinter: Man möchte die Kernkompetenzen, die die jeweiligen Einrichtungen mitbringen, zusammenführen und eng verzahnen. All diese Kompetenzen beleuchten jeweils andere Facetten von Bildung und ergänzen sich dadurch sehr gut.

Ein spannendes und innovatives Konzept

Der Siegerentwurf des neuen Bildungshauses / Foto: Stadt Wolfsburg
Der Siegerentwurf des neuen Bildungshauses / Foto: Stadt Wolfsburg

Es begann im Jahr 2009. Damals wuchs am Klieversberg die Neue Schule und die Volkshochschule war auf der Suche nach einer neuen „Heimat“. Auf Grund der Nähe des Planetariums, des Kunstmuseums und des Theaters sollte dort ein Bildungscampus entstehen und für die VHS und die Oberstufe der Neuen Schule einen Neubau errichtet werden. Früh im Planungsprozess für das Haus entschied man sich dann, auch die Stadtbibliothek mit aufzunehmen, weil die im Alvar Aalto Kulturhaus inzwischen nicht mehr wirklich optimal untergebracht ist. „Dann ist ein wirklich spannendes, sehr innovatives Raumkonzept für das neue Haus entstanden“, erklärt Dr. Rabofski, bei dem nicht die Institution, sondern der Mensch im Mittelpunkt steht. Die zentrale Frage lautete: Was brauchen die Menschen, um entlang ihrer Bildungsbiografie optimal unterstützt zu werden, damit sie an der Gesellschaft teilhaben können?

Tolle Projekte

Der Bau des Bildungshauses ist auf Grund fehlender finanzieller Mittel jedoch aktuell auf Eis gelegt. Allerdings wollte die Stadt nicht, dass die bisherigen Bemühungen umsonst gewesen sein sollen. Daher entschied man, dass 2016 die Einrichtungen zumindest schon einmal organisatorisch zusammengeführt werden, damit wenigstens Teile dessen, was konzeptionell entwickelt wurde, auch umgesetzt werden konnten. „Und da sind auch schon sehr schöne Dinge entstanden“, berichtet uns Dr. Rabofski – zum Beispiel das Projekt „Wolle liest“. Hierbei handelt es sich um mehrsprachige Bücherkisten in den Kitas mit dem Ziel, Kinder zu unterstützen, die aus ihren Elternhäusern heraus sprachlich nicht ausreichend gefördert werden. Die Bibliothek sucht die Bücher aus, die VHS hat Tipps zum Vorlesen und Materialien erarbeitet, die den Eltern zur Verfügung stehen. Das ermöglicht nicht nur die Entwicklung einer Vorlesekultur, sondern auch die Sprachförderung. „Vorlesen ist einfach eine unglaublich gute und wichtige Möglichkeit, um Sprache entwickeln zu können.“

Verzahnung von Kompetenzen

Ein weiteres Beispiel bildet das Lernzentrum in der Stadtbibliothek. Hier stehen Laptops zur Verfügung, an denen z.B. die Teilnehmer*innen der Integrationskurse die Möglichkeit haben, über das Internet, z.B. mit Apps, ihre Sprachkenntnisse außerhalb des Unterrichts gezielt weiterentwickeln zu können. Dahinter steht die Idee des selbstgesteuerten Lernens. Anhand dieser kleinen Projekte kann man heute schon sehen, wie gut es funktioniert, wenn die Institutionen eng zusammenarbeiten können. „Durch diese gelingende Verzahnung unserer Kompetenzen erreichen wir genau das, was wichtig ist: Dass wir viele verschiedene Wege aufzeigen können, wie man lernen kann.“ Ein großes Thema ist die Digitalisierung. Die Stadt Wolfsburg hat sich mit der Initiative Wolfsburg Digital auf den Weg zur Modellstadt für Digitalisierung gemacht. Durch die vorhandenen Kernkompetenzen und die jahrelange Erfahrung in diesem Bereich trägt das Bildungshaus dazu bei, dass Wolfsburg Digital auch im Bereich Weiterbildung gut aufgestellt ist. Das Ziel des Bildungshauses ist es, die Bürgerinnen und Bürger zu befähigen, Digitalisierung überhaupt zu verstehen und mitzukommen. Dr. Rabofski sieht hier die Schwierigkeit der digitalen Kluft: Auf der einen Seite die unglaublichen technologischen Entwicklungen, z.B. im Bereich der E-Mobilität, und auf der anderen Seite der „normale Bürger“, der vielleicht weder durch die Arbeit noch durch sonstige Gegebenheiten Zugang hat, im Alltag aber immer mehr mit den rasanten Veränderungen durch digitale Weiterentwicklungen konfrontiert wird. „Es nützt nichts, wenn wir in einer Welt leben, wo sozusagen der Mensch nicht mehr mitkommt.“ Gerade hier macht die VHS schon seit sehr langer Zeit zielgerichtete Angebote; auch der Erwerb des Nachweises der erworbenen Kenntnisse ist möglich.“ Wenn man also bedenkt, dass das Bildungshaus Konzepte für Kleinkinder bis Senioren entwickelt, spielt die Zielgruppenorientierung eine wichtige Rolle. „Aber das ist ja auch das, was die positive und schöne Herausforderung ist. Und die Vielfalt ist sehr, sehr spannend“, fügt Dr. Rabofski hinzu.

Vernetzung der Wolfsburger Bildungslandschaft

Die Vielfalt, die sie beschreibt, reicht von der politischen Bildung, über die kulturelle Bildung, die Gesundheitsbildung und die Fremdsprachen, bis hin zur beruflichen Bildung mit der IT als ein Schwerpunkt. Dr. Rabofski selbst hat einen geisteswissenschaftlichen Hintergrund und war schon während ihres Studiums in der Erwachsenenbildung tätig: „Da habe ich Feuer gefangen. Genau dieses Thema: Menschen zu ermöglichen, weiterlernen zu können – jenseits von Schule. Ich kann mir ein Leben ohne Weiterbildung eigentlich gar nicht vorstellen.“ Kein Wunder also, dass sie selbst immer offen für Neues ist und sich gerne auch Neues aneignet. „Das gehört zu mir“, sagt Dr. Rabofski begeistert. 2010 kam sie nach Wolfsburg und ist seitdem an der Vernetzung der Wolfsburger Bildungslandschaft beteiligt, die ihrer Meinung nach schon heute eine ganz hohe Qualität aufweist. Ihr Wunsch für die Zukunft ist es, genau an dieser Qualität weiterzuarbeiten und natürlich der Bau des neuen Bildungshauses. Denn für sie ist „es einfach mit das Tollste, was es gibt, wenn man eine Orientierung, eine Wissenslandkarte im Kopf hat, um einordnen zu können, was um einen herum passiert, damit man wirklich verantwortungsvoll an der Gesellschaft teilhaben kann. Das ist das, was mich treibt. Das ist mein Motor.“

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