Die Soropimisten Wolfsburg / Foto: Soroptimisten International

Eine weltweite Stimme für Frauen

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Gut zu wissen, Magazin, Sandra Enskat

Ich treffe mich im Superleggera mit der Präsidentin Marie-Luise Kelting, die seit 1985 Mitglied in dem Serviceclub Soroptimisten International Club Wolfsburg ist.

Die Wolfsburger Soroptimisten

Marie-Luise Kelting erzählt über die Soroptimisten. / Foto: Andreas Bräunlich

Marie-Luise Kelting erzählt über die Soroptimisten. / Foto: Andreas Bräunlich

Über Eck nehmen Marie-Luise Kelting und ich draußen Platz. Frau Kelting ist ehemalige Inhaberin der GartenBaumschule Lieven in Mörse. Als gelernte Gärtnerin der Fachrichtung Baumschule leitete sie das Unternehmen lange Jahre, ehe sie es 2015 verkaufte. 1985 wurde sie von einer Clubschwester angesprochen und überzeugt, bei den Soroptimisten einzutreten. Seitdem ist sie aktiv dabei. Vor allem hat sie motiviert, mit anderen Frauen in Verbindung zu treten und soziale Projekte zu unterstützen, die weiterlaufen, auch wenn sie mit ihrem sozialen Engagement zwischenzeitig mal einen Gang rückwärts treten muss. Dies kann als Unternehmerin hin und wieder passieren, wenn das Unternehmen mehr Aufmerksamkeit benötigt. Bis zu meinem Interview kannte ich den Serviceclub noch gar nicht. Aber was verbirgt sich hinter den Soroptimisten? Soroptimist International ist eine internationale Organisation von Frauen, die Fragen der Zeit aufgreifen. Dies reicht von der Bildung bis zur medizinischen Versorgung. Vor allem für Frauen und ausschließlich von Frauen. Seit 1963 gibt es sie in Wolfsburg, bereits seit 1930 in Deutschland.

Gemeinsames Engagement

Der "offene Schrank" ist als etwas anderer Flohmarkt in Wolfsburg bekannt. / Foto: Soroptimist International

Der „offene Schrank“ ist als etwas anderer Flohmarkt in Wolfsburg bekannt. / Foto: Soroptimist International

In erster Linie engagiert sich Soroptimist International für Mädchen und Frauen global und lokal in verschiedenen Bereichen. In Wolfsburg unterstützt der Serviceclub u.a. die Mädchenwohngruppe Mascha (Maedchen schaffen alles) und das Mädchenhaus Mila (Mädchen kommen im Leben an).

Das Mascha ist ein geschlechtsspezifisches ausgerichtetes, stationäres Jugendhilfeangebot für Mädchen im Alter von 13 bis 18 Jahren und das Mila für Mädchen im Alter von sechs bis 14 Jahren. Zu ihren Projekten gehört auch die Veranstaltung „offener Schrank“, welche sie seit mehr als zehn Jahren in Wolfsburg erfolgreich durchführen. Es ist ein etwas anderer Flohmarkt. Hier werden hochwertige Kleidung, Accessoires, Taschen, Tücher und Bücher – von Frauen für Frauen – für den wohltätigen Zweck verkauft. Zuvor wurden diese Sachen von Frauen gespendet. Dieses Jahr kamen rund 300 Frauen und ein paar Männer in den Föhrenkrug und erzielten einen Erlös von 2.500 €. Der Erlös geht an den Wolfsburger Verein Bildung für Kinder in Afghanistan (BFKiA e.V.) zur Einrichtung weiterer Klassenräume einer Schule in Ebad – Kalah und den Deutsch/Ghana Freundschaftsverein e.V. Wolfsburg zur Förderung der Kulturarbeit in der „Joyful Learning School“, Ghana. Als Frau Kelting von dem Frauendorf in Kenia spricht, glänzen ihre Augen. „Kennen Sie das Buch Mama Mutig?“ fragt sie mich. Ich verneine. „Das müssen Sie unbedingt lesen!“ Es geht um eine Frau in Kenia, die sich aus der Unterdrückung befreit und ein eigenes Frauendorf gründet. Sie musste ihre Kinder zurücklassen, weil sie in diesem Land dem Mann zugeschrieben werden. Dieses Frauendorf wird von den Soroptimisten aus Wolfsburg unterstützt. Zum Beispiel wird gegen eine Spende ein Mädchen ein Jahr lang der Schulaufenthalt finanziert. Die Eltern müssen sich für diese Zeit verpflichten, ihre Tochter nicht beschneiden zu lassen. Für 2020 haben sie bereits eine Veranstaltung im Automuseum in Planung. Sie findet, das Automuseum braucht mehr Aufmerksamkeit. Daher organisieren sie dort ein Benefizkonzert mit dem Chor „Tendenz positiv“. Einmal im Monat gibt es zudem im Restaurant La Fontaine – Hotel Ludwig im Park in Fallersleben ein Clubtreffen, welches für die Clubschwestern verpflichtend ist. Referate, Berichte, Diskussionen aus der Berufswelt, sowie Vorträge zu aktuellen gesellschaftspolitischen Themen – wie kürzlich der Social Media Vortrag von Ingo Bartels – sind Mittelpunkt der monatlichen Treffen. Bei diesen Treffen sind Gäste herzlich willkommen. Die Termine stehen auf der Website und die Anmeldung nimmt die Präsidentin entgegen. Analog dazu findet monatlich ein weiteres Treffen statt. Dieses wird unter den Clubschwestern „Happy hour“ genannt. Hier trifft man sich locker meist bei einem Mitglied privat und tauscht sich über alles Mögliche aus. Parallel zu den monatlichen Treffen gibt es Werkstatt-Treffen, um einzelne Projekt zu bearbeiten.

Die Soroptimisten in Deutschland

Gegenseitige Unterstützung wird hier großgeschrieben. / Foto: Soroptimisten International

Gegenseitige Unterstützung wird hier großgeschrieben. / Foto: Soroptimisten International

Da die Soroptimisten mehr als 220 Clubs in Deutschland und weltweilt über 3.150 Clubs haben, sind diese untereinander freundschaftlich verbunden. Um bei den Soroptimisten Mitglied zu werden, gibt es folgende Voraussetzungen:
 
– Frau sein
– Fest im Beruf stehen, unabhängig ob angestellt oder selbstständig
– Einen Bereich bedienen, der noch nicht im Club besetzt ist.
 
Frau Kelting erzählt, dass sie es schön findet bei den Soroptimisten „unter sich“ zu sein. „Da können wir sein wie wir sind – ganz Frau! Völlig authentisch.“ Dort wird sich gegenseitig unterstützt und gefördert und ehrlich über die Herausforderungen einer Frau im Berufsleben gesprochen. Momentan gibt es 24 Clubschwestern in Wolfsburg. „Wir vereinen in unserem Club berufstätige Frauen jeder Altersstufe, was die Zusammenarbeit besonders befruchtet. Da muss auch einmal Toleranz zwischen Alt und Jung, sowie zwischen Bewährtem und Neuem geübt werden. Das inspiriert und macht mir immer wieder Freude. Zwei Frauen scheiden aus, weil sie die Region verlassen.“ erzählt Frau Kelting etwas betrübt. Ergänzt aber sogleich, dass sie den Soroptimisten in einer anderen Stadt treu bleiben und sie hofft, demnächst wieder interessante, berufstätige Frauen im Club aufzunehmen. Hinter der Präsidentin, die für 2 Jahre gewählt wird, steht ein tatkräftiges Team aus den verschiedensten Berufen. Dazu zählen u.a. eine Apothekerin, eine Diät-Assistentin, eine Lehrerin, eine Professorin, eine Buchhändlerin, eine Bankerin, eine Mediatorin, eine Verwaltungsmanagerin, eine Historikerin, eine Ergotherapeutin sowie drei Ärztinnen. „Unser Club in Wolfsburg ist der älteste Serviceclub in Deutschland“, sagt Marie-Luise Kelting stolz als letzten Satz, bevor wir uns verabschieden.

 

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