foodsharing – Ressourcen der Erde verbrauchen, nicht verschwenden

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Blog, Gut zu wissen, Jana Wosny

11 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland pro Jahr weggeworfen. Das heißt, dass jeder Bürger jährlich ungefähr 81 Kilogramm Lebensmittel wegwirft. Dies entspricht einem Wert von etwa 235 €. Erschreckende Zahlen, wenn man bedenkt, dass mit der Verschwendung der Lebensmittel ebenso der globale Wasserverbrauch, die CO2-Emissionen und die Preise auf dem Weltmarkt in die Höhe getrieben werden. Die Mitglieder der Organisation foodsharing, welche seit 2017 auch in Wolfsburg vertreten ist, setzen sich ehrenamtlich gegen die Verschwendung ein.

Der Gründer: Valentin Thurn

Während des Drehs seines Films „Taste The Waste” gründete Valentin Thurn den gemeinnützigen foodsharing-Verein. In Berlin im Frühling 2012 entstand dann durch Raphael Fellmer das Konzept Lebensmittel bei Betrieben zu retten, welcher eine Kooperation mit der Bio Company startete. Nachdem dieses Fundament der Lebensmittel-Rettung geschaffen war, wurde die Seite foodsharing.de am 12. Dezember 2012 veröffentlicht. Es erfolgte eine Fusion mit der ehemaligen Foodsaver-Plattform lebensmittelretten.de im Dezember 2014, um eine vereinte Community zu bilden. Seitdem retten mehrere hundert Botschafter und zehntausende Foodsaver die Lebensmittel vor der Mülltonne. Immer mit dem Ziel, die aufgewendeten Ressourcen der Erde zur Herstellung der Lebensmittel nicht zu vergeuden und sie stattdessen zu verbrauchen. Alle engagieren sich freiwillig. Es bestehen lediglich ein bis zwei Minijobs.

So viel Essen! Und alles wäre im Müll gelandet.

210 Foodsaver in Wolfsburg

Die Website fungiert hierbei als Netzwerk, wo die foodsharing-Botschafter und Foodsaver sich organisieren. Ebenso die zwei Botschafter und 210 Foodsaver in Wolfsburg. Ein mal pro Monat findet ein Treffen statt, wo meist bis zu 30 Leute kommen und die wichtigsten Neuigkeiten besprochen werden. Ganz vorne mit dabei ist Anna, eine der beiden Botschafter in Wolfsburg. Schon als kleines Mädchen störte sie die übermäßige Verschwendung des Essens, weshalb sie, als sie Jahre später von foodsharing erfuhr, sofort Feuer und Flamme war. In Braunschweig machte sie ihre Einführung, wo sie bei zwei unterschiedlichen Betrieben die Abholung miterlebte. Bald wurde sie zur Betriebsverantwortlichen, womit sie für die Kooperation mit Betrieben zuständig ist. Seit eineinhalb Jahren ist die leidenschaftliche Foodsaverin schon dabei und durch Anna ist auch die foodsharing-Community gewachsen. „Ich habe keinen Urlaub von foodsharing”, lacht die Botschafterin. „Mein Mann beschwert sich schon immer. Aber meine Arbeit bei foodsharing ist halt mein Leben.”

Unterwegs mit den Foodsavern

Ein wichtiger Teil beim Retten von Lebensmitteln ist die Abholung der Lebensmittel. Über Slots auf der Website tragen sich Teams zusammen, welche sich daraufhin mit typischen „foodsharer-Autos” auf den Weg machen. Vollgepackt mit Kisten, großen Tüten und Feuchttüchern. Denn wenn mal ein matschiger Apfel oder Ähnliches dabei ist, können die Finger schon mal klebrig werden. 37 Betriebe werden in Wolfsburg regelmäßig besucht. Meist wird in der Nähe des Lieferanteneinganges geparkt, um sich dann mit Tüten bepackt auf die Suche nach Mitarbeitern zu machen, welche die Ware für die Foodsaver hervorholen. „Wir möchten immer ein gutes Verhältnis mit unseren Kooperationspartnern pflegen. Bei der Abholung höflich und nett zu sein ist das A und O”, erzählt Anna, als sie und ihre Foodsaver-Partnerin Ulrike den Edeka Markt Bartsch ansteuern.

Sobald die beiden die Waren erhalten haben geht das Teilen routiniert los. Wer was bekommt scheint klar zu sein. „Wir sind schon ein eingespieltes Team. Wir wissen, wer was gebrauchen kann. Deshalb geht es auch relativ schnell”, erklärt Ulrike, als sie sich an die erste Kiste mit Lebensmitteln macht. Als Foodsaver darf man alle Lebensmittel annehmen. Dabei spielt das Mindesthaltbarkeitsdatum keine Rolle. Ob es genießbar ist, müssen die Teilnehmer selbst entscheiden. Lediglich das Verbrauchsdatum von beispielsweise rohen Eiern oder Fleisch ist relevant. Ist dieses überschritten, dürfen die Lebensmittel nicht mehr geteilt werden. Gemüse und Obst wird einmal kritisch beäugt und schnell entschieden, ob es geteilt werden kann oder nicht. Wenn in einem Beutel beispielsweise eine schlechte Tomate ist, wird diese kurzerhand aussortiert und in den Mülltonnen vor Ort entsorgt.

Die Tafel und foodsharing sehen sich als Partner, da sich beide für das Retten  der Lebensmittel einsetzen. Das primäre Ziel beim foodsharing ist jedoch die Lebensmittel zu verbrauchen. Dabei steht die Frage an wen es geht nicht im Vordergrund. Anders als beim foodsharing sammelt die Tafel vorrangig für Bedürftige.

Gerade noch Platz zum Sitzen, eine gute Ausbeute am heutigen Tag.

Nachdem die auf dem Plan stehenden Betriebe von Anna und Ulrike abgefahren worden sind, ist das Auto bis oben hin voll. Insgesamt wurden bei 3.907 Rettungseinsätzen wie diesen über 58.218 Kilogramm Lebensmittel in Wolfsburg gerettet. Das wäre eine Strecke von Wolfsburg nach Mailand (Italien), die 60 Mal abgefahren wird!

Lebensmittel teilen mit den Menschen

Das Teilen erfolgt im Nachhinein. Generell gilt die Devise: „Teile nur Lebensmittel, welche du auch selbst konsumieren würdest.” Wenn die Foodsaver das Essen nicht selbst konsumieren, kann es Online geteilt werden. Auf der foodsharing-Plattform werden Essenskörbe angeboten, welche bei einem verabredeten Treffen abgeholt werden. Außerdem gibt es Fair-Teiler, welche zu Öffnungszeiten Lebensmittel von Privat zu Privat abholen und bringen. Diese sind in Wolfsburg allerdings nicht vertreten. Meist wird jedoch direkt an Menschen aus der Umgebung geteilt. Sei es der Freundeskreis, Bekannte und Nachbarn oder karitative Organisationen. Nicht nur Menschen profitieren davon, denn Tierhalter bekommen zum Verzehr für beispielsweise Hühner Gemüse oder Obst, welches Druckstellen oder Ähnliches hat. Gute Lebensmittel werden auch auf der Straße verschenkt oder an Bedürftige gegeben. Das können Rentner sein oder alleinerziehende Elternteile, die zu wenig Geld haben. Egal, wer die Lebensmittel erhält, es ist verboten Geld dafür zu nehmen. Alles wird verschenkt und immer mit großer Dankbarkeit angenommen.

Die foodsharing-Mitglieder wirken unserer heutigen verschwenderischen Konsumgesellschaft entgegen. Ein Ansatz, den deutlich mehr Leute vertreten sollten, um unsere Erde etwas länger zu erhalten. Wer Interesse hat sich freiwillig am foodsharing zu beteiligen wird mit offenen Armen empfangen. Alle unter 18 Jahre können auch schon als Foodsharer mitfahren, jedoch keine Waren annehmen. Hierbei bekommt man natürlich, ebenso wie die Foodsaver, einen eigenen Anteil an geretteten Lebensmitteln. Die Fahrt hat definitiv Spaß gemacht.

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