Beim Kibitzmarkt findet jeder etwas. /Foto: FLOWWOLF

Im Bastelparadies

Gut zu wissen, Magazin, Viktoria Bethmann

Beim Betreten des Kiebitzmarkt Kroll bin ich zuerst überwältigt von der sich mir präsentierenden Vielfalt. Das Gefühl von Das-möchte-ich-alles-selbst-ausprobieren stellt sich fast sofort ein. Basteln. Nähen. Stricken.

Alles, was das Bastel-Herz begehrt

Die Auswahl an Artikeln ist enorm. /Foto: FLOWWOLF

Das Sortiment scheint riesig zu sein. Hier kann man stundenlang durch die Gänge schlendern und sich von einem kreativen Impuls zum nächsten begeben. Wer also selbst noch auf der Suche nach einer passenden kreativen Aufgabe für sich ist oder neue Inspirationen sucht, der ist hier genau richtig. Begonnen hat alles 1956 mit dem Landhandel der Familie Kroll. Über den Brennstoffhandel ist der Familienbetrieb zum Einzelhandel gekommen. Seit 1990 wird der Bastelbereich stetig weiter ausgebaut. Heute macht die Bastel- und Handarbeitsabteilung fast 50 % des Sortiments aus und ist vielseitig aufgestellt.

Jährlich wechseln um die 1.500 Produkte im Sortiment, wodurch sich der Kiebitzmarkt in einem stetigen Wandel befindet und es immer etwas Neues zu entdecken gibt. Die Produktpalette des Vollsortimenters ist breit gefächert und hier fällt es einem ganz leicht sich für eigene oder neue Projekte zu begeistern. Die Besonderheit am Selbermachen? Die liegt ganz klar in der Einmaligkeit der hergestellten Dinge. Jedes Stück ist ein Unikat, das es in dieser Weise nur einmal gibt. Thorsten Kroll erzählt: „Ich bin weniger der Bastler, Näher oder Stricker, sondern eher der Handwerker und arbeite gerne mit Holz. Dafür habe ich in unserem Sortiment schon einiges gefunden – Holzleisten oder doppelseitiges Klebeband.“ Auch seine Kunden interessieren sich zunehmend für diesen Bereich. Neben dem traditionellen Basteln mit Papier geht der Trend immer mehr in die handwerkliche Richtung: Töpfern oder mit Ton und Kreativbeton arbeiten. Man hat gerade hier die Möglichkeit die Grenzen der einzelnen Kreativbereiche zu überschreiten und verschiedene Stile zu kombinieren. Getreu dem Motto: learning by doing. Dabei gibt es nicht nur neue Trends, sondern auch alte Trends, die überarbeitet wurden. Ein Beispiel hierfür sind Laubsägearbeiten. Eine modernere Gestaltung und verschiedene Sägevorlagen haben das Laubsägen wieder aktuell gemacht.

Qualität ist wichtiger denn je

Die Bedürfnisse der Besucher ändern sich. /Foto: FLOWWOLF

Doch im Kiebitzmarkt ist die gesellschaftliche Veränderung des Selbermachens der letzten Jahrzehnte zu spüren. Die Zeit dafür ist entweder nicht mehr vorhanden oder wird sich nicht mehr bewusst genommen. Die Schnelllebigkeit der Gesellschaft spielt eine entscheidende Rolle. Das Selbermachen musste der Bequemlichkeit weichen. Dabei können individuelle Arbeiten oft schnell und leicht selbst hergestellt werden, wenn man sich ein bisschen Zeit dafür nimmt. Auch der Wert und die Wertigkeit des Selbstgemachten werden heutzutage nicht angemessen wertgeschätzt. Sei es die investierte Arbeitszeit oder Materialkosten für die Projekte. Denn die Qualität spielt eine wichtige Rolle, was Thorsten Kroll bestätigt. Sei es in der Pigmentierung von Farben, Dichte von Fäden oder Stoffqualität. Wie meditativ die Arbeit des Selbermachens sein kann, zeigt Thorsten Kroll anhand seiner eigenen Erfahrungen: „Man kann dabei sehr gut abschalten und kommt mental zur Ruhe. Natürlich sollte man nicht unbedingt mit dem kompliziertesten Thema beginnen.“ Neben der Übung und wachsenden Erfahrung in ersten Projekten, sollte der Spaß gegenüber der Herausforderung nicht zu kurz kommen. Zum Üben oder um sich hilfreiche Tipps zu holen, gibt es im Kiebitzmarkt diverse Clubs und Events. Jeweils zweimal im Monat treffen sich der Strick- und Näh-Club an einem großen Tisch mitten im Geschäft und können dort nicht nur gemeinsam kreativ werden, sondern sich zusätzlich Unterstützung bei Fragen holen. Ein Kindernähkurs wird wieder in den Osterferien stattfinden, in welchem sich Kinder ab zehn Jahren mit den Basics des Nähens befassen. Im Oktober findet das Bastel-Event mit unterschiedlichen Workshops und Vorführungen statt, die zum Mitmachen einladen. Währenddessen kann man Neues ausprobieren und andere Ideen zum Selbermachen kennenlernen.

Die Zukunft wird spannend

Es stoßen neben den klassischen Artikeln auch neue hinzu. /Foto: FLOWWOLF

Auch für die Zukunft ist einiges geplant, denn der Kiebitzmarkt befindet sich momentan in einem spannenden Umbruch. Neben der bereits geschlossenen Tierzubehörabteilung werden die Garten- und Reitsportabteilung aufgegeben. Durch den neu entstehenden Platz bekommt der Kreativbereich die Möglichkeit sich noch schöner und breiter zu präsentieren. Die Wolle, die jetzt schon aus Bio-Baumwolle oder verschiedenen nachhaltigen Zusammensetzungen besteht, soll einen eigenen Bereich bekommen und GOTS (Global Organic Textile Standards) Stoffe intensiv mit aufgenommen werden. Außerdem sind die meisten Produkte für Kinder erst ab sechs Jahren geeignet und Thorsten Kroll hat den Wunsch einen separaten Bastelbedarf für Kleinkinder ab drei Jahren aufzubauen. Er erzählt weiter: „Ich freue mich, wenn es weiterläuft wie bisher, gerade weil sich der kreative Bereich momentan in einer schwierigen Phase befindet. In Zukunft möchte ich dem Kunden weiterhin die bestmögliche Qualität zu einem guten Preis anbieten können.“ Unterstützt wird er dabei von seinen Mitarbeitern, die das umfangreiche praktische Wissen zu den einzelnen Produkten haben, diese selbst ausprobieren und eigene Erfahrungen damit sammeln. Im Januar war Thorsten Kroll in Frankfurt am Main auf der wichtigsten Messe für seine Bastelbranche und hat dort vermutlich die eine oder andere Neuheit für sein Sortiment entdeckt.