Das CJD, Christliches Jugenddorf Deutschland, ist eines der größten Bildungs- und Sozialunternehmen in Deutschland. Über 10.500 Mitarbeitenden fördern und begleiten Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene an mehr als 350 Standorten. Darunter auch in Wolfsburg.

Du musst nur an dich selber glauben 

Die Vielfalt an Einrichtungen ist groß – es gibt Kitas, Schulen, Berufsbildungswerke sowie Lehrbetriebe, Kliniken, Reha-Einrichtungen, Wohngruppen und Werkstätten.  

Seit Gründung im Jahr 1947 prägte der Leitgedanke „Keiner darf verloren gehen!“ die Arbeit im CJD. Hier hat jeder das Recht, Teil der Gesellschaft zu sein. Menschen werden auf ihrem Weg unterstützt, ihre Fähigkeiten zu entfalten und ein selbstständiges Leben zu führen. Hierbei unterstützen berufsorientierte und vernetzte Angebote. Und am Ende musst du noch an dich selber glauben. 

Facettenreiche Angebote

Zum CJD Niedersachsen Süd-Ost mit 600 Mitarbeitenden, einer von 16 CJD-Verbünden, gehört der Standort Wolfsburg. Braunschweig und Salzgitter sind weitere Standorte des Verbundes.  

Aber bleiben wir vor Ort, denn die Vielfalt an Einrichtungen in Wolfsburg ist groß. Und genau hier begann auch meine Geschichte in Wolfsburg. Als es mich Ende 2013 hierher verschlagen hat, begann ich im CJD Wolfsburg in der Jugendhilfe zu arbeiten. Das PBW, pädagogisch begleitetes Wohnen, was heute im Lessing 26, ist, war mein Arbeitsplatz. Das PBW ist ein stationäres Betreuungsangebot zur Verselbstständigung für junge Menschen zwischen 16 und 21 Jahren.  

Hier habe ich Jugendliche und junge Erwachsene auf ihrem Weg begleitet, sie auf das eigenständige Wohnen vorbereitet und dabei intensiv sozialpädagogische Unterstützung geleistet. Außerdem arbeitete ich in den Flexiblen Hilfen. Hier werden Menschen befähigt ihre Persönlichkeit zu entfalten und ein selbstständiges Leben zu führen. Das Netzwerken ist ebenfalls ein großes Thema und das soziale Umfeld und die Arbeit mit Partnern wird im CJD immer befürwortet. 

Somit fühle ich mich, auch wenn ich heute in einer ganz anderen Branche Fuß gefasst habe, nach sieben Jahren im CJD, immer noch als Teil der CJD-Familie. Und irgendwie kam ich auch durch mein dortiges Netzwerk auf meinen heutigen Weg. Allein in Wolfsburg bietet das CJD ein Facettenreichtum an Angeboten, über Kinder- und Jugendhilfe, einer Kindertagesstätte mit Krippe, Flexible Hilfen, Mädchenwohngruppen, die VfL-Fußball.AKADEMIE sowie die VfL-Mädchen Wohngruppe, der Beruflichen Bildung und dem Angebot der REHA-Ausbildung. 

CDJ
Orte des CDJ. Foto: FLOW WOLF

Individuell sind wir doch alle 

Im Rahmen der REHA-Ausbildung ermöglicht das CJD jungen Menschen mit körperlicher und/oder psychischer Beeinträchtigung eine sozialpädagogisch begleitete Ausbildung.  

Die jeweilige spezielle Fördersituation wird individuell begleitet. Das CJD bildet in einigen Bereichen aus, zum Beispiel in den Arbeitsfeldern Garten- und Landschaftsbau, Hauswirtschaft, Malerhandwerk und Büromanagement. 

Das Team aus Ausbildern, Lehrkräften und Sozialpädagog*innen unterstützt, denn die schulischen und praktischen Anforderungen sollen mit so wenig Druck wie möglich bewältigt werden. Deshalb unterstützen auch Psychologen, Ärzte sowie Psychotherapeuten bei Bedarf mit ergänzenden Angeboten. Die persönliche und gesundheitliche Stabilisierung steht im CJD im Fokus. Beispiele hierfür sind Stressbewältigung und Prüfungsangst.

Sich selbst kennenlernen dürfen 

Boris Semenov, 25 Jahre alt, ist seit 2019 in einer BvB, Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme des CJD in Wolfsburg. Ich treffe den jungen Mann, der heute einen offenen und sehr sympathischen Eindruck auf mich macht. Doch seine offene und unbeschwerte Art hat Boris selbst erst kennengelernt. 

Als Boris Semenov 2019 von der Möglichkeit einer BvB hört, sitzt er in seiner Therapiestunde. Anschließend in der REHA-Abteilung der Agentur für Arbeit, denn hier werden die Plätze der BvB zugewiesen. Wenn es dann für beide Seiten passt, kann der Teilnehmer immer im September des Jahres starten. Anfangs traut Boris sich zu keinem Gespräch alleine. Er leidet unter Angststörungen und einer Depression. „Ich habe nur nachts mein Zimmer verlassen, sonst habe ich mich dort aufgehalten.“ Heute führt Boris das Interview mit mir und ist sicher in seinem Auftreten. „Ich habe mich hier sehr schnell wohl gefühlt, weil man mich auch ernstgenommen hat. Und ich habe gelernt Hilfe anzunehmen, einfach weil das im CJD normal ist.“ 

Heute hat Boris eine eigene Wohnung in Wolfsburg, einen festen Freundeskreis und fühlt sich sichtlich wohl. Laut der Pädagogen und dem 25-Jährigen sind seit Maßnahmenbeginn echte Bindungen entstanden. Für Boris war das zu seiner Schulzeit nicht denkbar. Und die Veränderung merkt der junge Mann jetzt auch in der Schule. „Ich habe jetzt das beste Zeugnis gehabt. Und ich hätte nie gedacht, dass ich einmal im Büro arbeite und Gespräche führe“, erklärt Boris und ich sehe ihm an, dass er stolz auf sich ist. 

„Ich lerne mich heute überhaupt erst kennen, ohne das CJD hätte ich das nicht machen können“, sagt er weiter. Ich muss zugeben, dass mich dieser Satz während des Gesprächs sehr berührt hat und auch mir wieder bewusst ist, was ich gerade bei der Arbeit im CJD Wolfsburg so sehr geschätzt habe.  

Teilnehmende an Beruflichen Bildungsmaßnahmen sind bis 25 Jahre alt und werden dabei unterstützt, sich über ihre eigenen Fähigkeiten und Wünsche klar zu werden. Hier können sie sich persönlich und fachlich weiterentwickeln, wie man am Beispiel von Boris Semenov sehr gut sehen kann. 

Boris Semenov und Katrin Haudel im Interview
Boris Semenov im Interview zum Selbstkennenlernen. Foto: FLOW WOLF

Jeder soll erreicht werden

In der Reislinger Straße im Hellwinkel gibt es seit Mai 2020 die Einrichtung „Ankerplatz“.  

Ein neuerer Bereich des CJD Wolfsburg, unterstützt von der Stadt Wolfsburg und dem JobCenter, für junge Menschen, die durch das System gefallen sind.  

Personen die keine finanzielle Lebensgrundlage, keine Kontakte zur Jugendhilfe haben und aufgrund oft schwieriger oder fehlender familiärer Kontakte nicht bei der Familie leben können. Auch Suchtverhalten oder fehlende Sozialkompetenz sind in vielen Fällen ein Thema. 

CJD-Mitarbeiter versuchen die Menschen zu besuchen und zu beraten. Da sie in der Regel keine Meldeadresse haben und deshalb oder aufgrund sozialer Probleme nicht auf Briefe vom Jobcenter reagieren wollen oder können, fährt abends ein Bus zu verschiedenen Brennpunkten, um so in Kontakt zu kommen. Es gibt die Möglichkeit sich aufzuwärmen, zu reden, zu essen oder auch zu duschen. Wer Hilfe möchte, erhält sie ganz zwanglos. Das Maß und Tempo, kann hier von jedem selbst bestimmt werden.  

Feste feiern, wie sie fallen

Im Mai 2022 findet im CJD eine Großveranstaltung statt. Der Titel wird lauten „Bildungs(t)räume Festival der Persönlichkeitsbildung“. Das Festival wird vom 18. Bis 21. Mai 2022 in Wolfsburg stattfinden. Ebenfalls im kommenden Jahr feiert das CJD bundesweit sein 75-jähriges Bestehen, wo auch der Standort Wolfsburg dann eine besondere Rolle spielen wird.  

Wir sind gespannt und ich freue mich ganz besonders darauf ein wenig mitfeiern zu können – wir werden sicher berichten. KH