Hallenbad Wolfsburg Mc Fitti

Wo Kreativität gefördert wird

Kommentare 0
Madita E. Heubach, Magazin, Unterhaltung

Unsere Redakteurin Madita E. Heubach traf Hallenbad-Geschäftsführer Frank Rauschenbach zum Gespräch über die kreative Kraft, die in der Kulturstätte am Schachtweg steckt.

Kulturstätte im ehemaligen Sportbad

Hallenbad am Schachtweg Wolfsburg

Das Hallenbad am Schachtweg ist ein Ort für Kreative. / Foto: Hallenbad

„Kreativität ist der Prozess, wenn ich etwas eigenes künstlerisches in irgendeiner Form umsetze“, beschreibt Frank Rauschenbach eines der vermutlich wertvollsten Eigenschaften der Menschen. Rauschenbach leitet seit zehn Jahren das Kulturzentrum Hallenbad am Schachtweg. Diese Kulturstätte hat es sich zum Ziel gemacht, „junge Menschen in ihrer Kreativität zu fördern.“ Denn, so erzählt Rauschenbach, „oft braucht man für die schöpferische Kraft entsprechende Rahmenbedingungen.“ Diese möchte das Hallenbad Künstlern anbieten, indem es u.a. Räumlichkeiten zur Verfügung stellt: In mehreren Proberäumen können Bands, Sänger und Tänzer sich entfalten. In Tonstudios erhalten sie die Möglichkeit, ihr Schaffen auf Tonträgern festzuhalten. In den Künstlerateliers entstehen Werke aus allen erdenklichen Materialien. Diese Räume können zu einem geringen Preis, bestehend aus dem Eigenkostenanteil, gemietet werden, „damit die Künstler sich dort entwickeln können und sich vielleicht irgendwann selbstständig machen.“

Hier entsteht Kreativität

Hallenbad Wolfsburg quatour voce

Wo einst Wasser drin war, zeigen heute zahlreiche Künstler ihre musikalischen Kreationen. / Foto: Hallenbad

Auch an dieser Stelle fördert das Team des Kulturzentrums Hallenbad gezielt die kreative Schöpfungskraft. Mit Formaten wie dem Rock im Allerpark oder der offenen Bühne erhalten Nachwuchskünstler die Chance, ihr Kunsthandwerk zu veröffentlichen. Zu dem jährlichen Festival Rock im Allerpark können sich regionale Bands bewerben, um als Vorband auf der Bühne zu stehen. Die offene Bühne hingegen bietet jeder erdenklichen künstlerischen Ausdrucksform die Möglichkeit, sich vor Publikum auf dem Gelände des Hallenbads zu präsentieren. Künstler, die ein Künstleratelier mieten, können ihre Werke in den offenen Räumlichkeiten des Hallenbads ausstellen. Mit der Hochschule der bildenden Künste in Braunschweig besteht darüber hinaus seit zehn Jahren eine Kooperation, in deren Rahmen die Studenten aller dort ansässigen Disziplinen sich gestalterisch in dem Schaufenster neben dem Haupteingang austoben können. „Die HBK findet diese Idee vor allem deshalb so toll, weil es für Studenten so wenige Möglichkeiten der Entfaltung außerhalb der Uni gibt“, erklärt Rauschenbach die erfolgreiche langjährige Zusammenarbeit. Darüber hinaus wolle man an dieser Stelle eine Brücke zur Region Braunschweig schlagen und gezielt die Jugend fördern: „Es gehört zu unserem Konzept, junge Menschen in ihrer Kreativität zu fördern, von der Idee bis zur Realisierung.“

Eine Mischung aus klassischer Veranstalter und Förderer

Frank Rauschenbach Geschäftsführer Hallenbad Wolfsburg

Madita E. Heubach sprach mit Frank Rauschenbach. / Foto: Hallenbad

Am 21. Oktober erfindet sich das Jugendzentrum, das ebenfalls in den Räumen des Kulturzentrums am Schachtweg angesiedelt ist, unter dem Motto „Youth and Culture“ neu. Jugendliche sollen hier eine Plattform erhalten, Ideen und Inspiration auszuleben und vor allem auszuprobieren. Zu Beginn werden dafür, in Kooperation mit der Jugendförderung, dem Jugendhaus OST und dem Forsthaus Fallersleben, Graffitiwände auf dem Gelände hinter dem Biergarten aufgestellt. Hier können Jugendliche vollkommen legal zur Spraydose greifen und die Wände mit Graffiti verzieren. Dazu soll es auch einen Workshop mit Graffitikünstlern geben. „Wir sind eine Mischung aus klassischem Veranstalter und Förderer für junge Menschen in jeder erdenklichen Form. Es ist meine Aufgabe, Unterstützung zu leisten“, betont Frank Rauschenbach. Denn neben den offenen Bühnen für junge Künstler, bespielen etablierte Namen aus Kunst, Musik, Kabarett, Kino, TV und Autorschaft das wöchentliche Programm des Kulturzentrums. „Denn dann können die einen Programme die anderen mitfinanzieren“ ist nur ein Grund für diese Mischung aus Geben und Nehmen in der Künstlerszene. Nicht zuletzt lebt die Kreativität von der Inspiration. Diese liefert demnach der Austausch zwischen den Künstlern – etabliert und neu. „Nutzt unsere Angebote, lasst euch davon inspirieren und einen Anstoß geben und probiert es dann selbst aus, z.B. beim Tanzenden Theater.“ Das Team vom Hallenbad sorgt seit dem ersten Tag dafür, dass die etablierte Künstlerszene gern und wiederholt nach Wolfsburg kommt, um diesen Austausch zu gewährleisten. „Wir wollen, dass es für die Künstler mehr als nur ein Auftritt ist“, so Rauschenbach. „Wir geben uns viel Mühe, damit die Rahmenbedingungen stimmen. Dann erzählen sie weiter, wie wohl sie sich hier fühlen.“ Dazu gehört ein schmackhaftes Catering aus dem eigenen Restaurant Lido, herzlichste Betreuung durch das Team und handverlesene Unterkünfte in der Stadt.

Dreh- und Angelpunkt in Wolfsburg

Hallenbad Wolfsburg Lesetage

Auch der 2016 verstorbene Autor Roger Willemsen war gerne Gast in Wolfsburg. / Foto: Hallenbad

„Wir sind eine gute Adresse für Künstler. Mittlerweile werden wir schon gezielt von den Künstlern angefragt.“ Sind die Künstler offen für den Austausch, entwickle sich manchmal eine richtige Beziehung. Der im vergangenen Jahr verstorbene Autor Roger Willemsen, erzählt Rauschenbach, „war ein liebevoller Mensch, der uns richtig ans Herz gewachsen ist und uns aktiv in der Szene unterstützt hat.“ Dementsprechend las er nicht nur einmal auf den Bühnen des Hallenbads, sondern kam regelmäßig nach Wolfsburg, nicht nur um zu lesen, sondern auch um als Jazz-Experte Platten im Schwimmerbecken aufzulegen. „Solche Künstler von der privaten Seite kennen zu lernen ist interessant und beeindruckend.“ Das Kulturzentrum Hallenbad verkörpert mit seiner Architektur, seinem breiten Angebotsspektrum für Zuschauer einerseits und Schaffende andererseits und nicht zuletzt mit seinem Team einen Dreh- und Angelpunkt der Kulturförderung in Wolfsburg. Frank Rauschenbach begründet diese Initiative mit der schlichten Notwendigkeit: „Der Stellenwert der Kreativität ist nicht zu unterschätzen, weil es für jeden Menschen wichtig ist, schöpferisch zu sein. Das macht einen glücklich. Ich selbst bin kein Künstler, aber ich zehre entsprechend von den Erfolgen der hier geförderten Künstler. Meine Kreativität liegt also in der Umsetzung.“

Schreibe einen Kommentar