Wohltberg / Foto: Stadt Wolfsburg

Der zweite Grundstein der Stadt Wolfsburg

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Gesprächsstoff, Madita E. Heubach, Magazin

Mit anfangs zwanzig Beschäftigten gründete sich am 2. November 1938 aus dem Mantel eines Leipziger Unternehmens die NEULAND – Gemeinnützige Wohnungs- und Siedlungsgesellschaft mbH. In enger Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung wuchs so die Industrie- und Gartenstadt rund um das Volkswagenwerk.

80 Jahre Stadt Wolfsburg bedeuten 80 Jahre NEULAND

Auf der Berliner Brücke (1962) / Willi Luther

Auf der Berliner Brücke ging es einst ruhig zu (1962). / Foto: Willi Luther

Neben der Baustelle des Volkswagenwerks bestand die Stadt Wolfsburg Ende 1938 lediglich aus den Stadtteilen Alt-Wolfsburg, Fallersleben und Vorsfelde. Man benötigte jedoch weitere Wohnungen für ca. 90.000 Menschen, sprich für die Arbeiter des Volkswagenwerks. Aus dieser Not heraus gründete man die NEULAND. Die Stadtplaner und Architekten namens Speer und Koller entwickelten daraufhin das Leitbild einer Industrie- und Gartenstadt. Weite Grünflächen und die Trennung der Bereiche Wohnen, Arbeiten und Verkehr waren wichtige Merkmale dieser Planungen. Als erster neuer Stadtteil des frisch gegründeten Wolfsburgs entstand der Steimker Bergs, der heute beinahe vollständig in privaten Besitz übergegangen ist. Anschließend begann der Bau der stadtbildprägenden Höfe in der heutigen Innenstadt. Letztlich verfolgte das Wohnungsbauunternehmen in den ersten Jahren nach der Gründung das primäre Ziel, in kürzester Zeit viel Wohnraum zu schaffen. Dies gelang mit nur zwanzig Mitarbeitern in den ersten zehn Jahren. In den Fünfzigern wuchs das Unternehmen auf zeitweise 40 bis 70 Mitarbeiter an. Es entstanden die Siedlungen am Eichelkamp und auf dem Rabenberg, in den 60er Jahren gefolgt von der Nordstadt, den Hochhäusern in der Saarstraße und der Tiergartenbreite sowie der Gründung des Stadtteils Detmerode.

Die NEULAND als Stadtentwickler

Steimker Berg / Foto: Stadt Wolfsburg

Der Steimker Berg gehört heute zu den beliebtesten Wohnvierteln. / Foto: Stadt Wolfsburg

Doch die NEULAND „ist nicht nur eine Wohnungsgesellschaft, sondern auch Stadtentwickler“, erzählt Geschäftsführer Hans-Dieter Brand. So entstanden um und nach der Jahrtausendwende im Auftrag der Stadt das BadeLand, das phaeno und das Gewerbegebiet am Heinenkamp. Die Phasen des intensiven Wohnungsbaus wechselten sich mehrmals mit Phasen der Instandhaltung und Stadtentwicklung ab, gemessen am Wohnungsbedarf und Wachstum der Stadtbevölkerung. „Aktuell befinden wir uns wieder in einer intensiven Wohnungsbauphase. Mit aller Kraft bauen wir so viele Wohnungen wie möglich.“ Im Vergleich zu der Zeit vor dem Masterplan 2020, als innerhalb von zehn Jahren lediglich etwa 40 Wohnungen neu entstanden, übernimmt das Unternehmen nun 1.000 der geplanten 6.000 neuen Wohnungen in Wolfsburg. Dabei wird modernen Formen des Wohnens ebenso Raum gegeben, wie klassischen Varianten. So möchte die NEULAND das sogenannte Clusterwohnen erproben, eine „WG für Erwachsene“. Jeder Mieter wohnt in einer kleinen privaten Wohneinheit mit eigenem Badezimmer und Kochgelegenheit. Die Einheiten sind durch Gemeinschaftsräume wie Wohnzimmer und Küche miteinander verbunden sind. Man wolle damit vor allem der Klientel von Fachkräften aller Bereiche gerecht werden. „Ich bin gespannt, wie diese Art des Wohnens in Wolfsburg ankommt“, kommentiert Brand.

#WolfsburgDigital

#WolfsburgDigital spielt „auch für uns eine große Rolle“, nicht nur im Rahmen des Masterplans 2020. Insgesamt zehn Handlungsfelder listet der Stadt Wolfsburg und des Volkswagenkonzerns listet die Stadt auf ihrer Webseite zum Thema Digitalisierung auf. E-Mobilität und moderner Städtebau fallen in den Zuständigkeitsbereich der NEULAND. Die Stadt und Volkswagen haben sich das Ziel gesetzt, dass bis zum Jahr 2025 rund 50 % aller in Wolfsburg registrierten Autos, das sind 70.000 Stück, mit e-Antrieb fahren sollen. „Wir gehen davon aus, dass das Laden der Autos zu großen Teilen zuhause geschieht“, erklärt Brand. Das betreffe bei der NEULAND demnach ebenso die Hälfte aller Mieter. „Wir stehen vor der Frage, wo wir Ladeinfrastruktur aufrüsten, also wo in unserem Bestand der Bedarf nach Ladestationen besteht.“ In der Neuen Burg beispielsweise können Mieter der NEULAND bis Ende März 2018 über mehrere Tage e-UP! und e-Golf testen. Dabei gehe es nicht nur um das Fahrerlebnis, sondern auch um die Fragen der Reichweite und der Dauer des Aufladens für den Tester, für die das Ganze kostenlos ist.

„FreiRaum“ – Kooperation mit der TU Braunschweig

Das Thema Smarthome, also digitales Wohnen in Form von praktischen Unterstützern im Alltag, wird derzeit in Kooperation mit der TU Braunschweig aktiv in einer Experimentierwohnung, genannt „FreiRaum“, getestet. In Bereichen des barrierefreien Wohnens finden diese Anwendungen bereits statt. Doch: „Ziel ist es, günstige Wohnungen anzubieten, deshalb sind wir zurückhaltend mit Smarthome“, erklärt Brand. Günstig bedeutet dabei keineswegs billig. „Unser Leitbild ist es, Wohnraum zu schaffen für die breite Bevölkerung und zwar qualitativ hochwertig.“ Tatsächlich sei der Mietpreis, im Vergleich zum Kaufpreis, in Wolfsburg seit Jahren stabil. Trotz des hohen Wohnungsbedarfs sieht Brand einen wichtigen Unterschied zwischen der Situation nach der Gründung und der heutigen Wohnungsbauoffensive: „Damals hat man von Wohnungsnot gesprochen. Heute verfolgen wir die Stabilisierung eines niedrigen Mietniveaus und wollen damit eine breite Bevölkerungsschicht ansprechen.“ Entsprechend vielfältig gestalten sich die Angebote des Unternehmens. So wolle man den Anforderungen der Mieterschaft gerecht werden und trotzdem ein stabiles Preisniveau ermöglichen. Brand sieht die Besonderheit des Wohnungsmarktes darin, dass ca. 60 % des Bestands an Mietwohnungen in den Händen der innerstädtisch ansässigen Wohnungsunternehmen NEULAND, VW-Immobilien und Allertal liegen und kaum bei externen Anbietern. Bei den genannten Gesellschaften existiere „kein Trieb des Maximalen, sondern des Optimalen.“ Letztendlich verstehe sich die NEULAND seit 1938 als „Partner unserer Mieter.“

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