Automuseum Wolfsburg

Wolfsburgs Geschichte hat vier Räder

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Magazin, Stefanie M. Brakel, Unterhaltung

Von der Gegenwart in die jüngere Vergangenheit sind es manchmal nur wenige Kilometer. Nahe des Volkswagen Werks, dort, wo die neuesten Modelle gefertigt werden, liegt die „Stiftung AutoMuseum Volkswagen“, eine prächtige Sammlung historischer Automobile nicht nur für Fans.

Automobile Geschichte seit 1985

Automuseum Wolfsburg

Da steht ein Käfer, noch ein Käfer und noch ein Käfer. / Foto: Stefanie M. Brakel

In der Dieselstraße 35, dem Gebäude der ehemaligen Textilfabrik Herrenkleiderwerke Odermark im Gewerbegebiet Ost, befindet sich das AutoMuseum. Am 25. April 1985 öffnete die technisch-historische Sammlung des Volkswagen Konzerns erstmals ihre Türen für die Öffentlichkeit und präsentierte ihre blechernen Zeitzeugen, die zum Teil schon von Heinrich Nordhoff in den 50-er Jahren zusammengetragen wurden. 1992 wurde das Museum in die gemeinnützige Stiftung „AutoMuseum Volkswagen“ umgewandelt. Und im Frühjahr 2001 wurde beschlossen, dass nur noch Fahrzeuge der Marke Volkswagen ausgestellt werden. Auf insgesamt 5.000 m² Fläche sind Unikate, Kuriositäten, Prototypen und Versuchsmuster direkt neben Serienmodellen zu sehen. Die Dauerausstellung umfasst 150 Markenfahrzeuge, die ständig variieren, denn insgesamt besitzt das Museum rund 300 Fahrzeuge und damit sie alle einmal zu sehen sind, werden sie ständig durchgetauscht. Jeder Besuch hier verspricht also Abwechslung und einen faszinierenden Einblick in die Volkswagen Produkthistorie.

Das Mekka für Volkswagen Fans

Automuseum Wolfsburg

Automuseum Wolfsburg / Foto: Stefanie M. Brakel

Seit 2014 ist Eberhard Kittler (62) Vorstand der Stiftung. Zuvor war er in der Volkswagen Konzernkommunikation tätig, wo er die Abteilung „Volkswagen Classic“ aufbaute, eine Art rollendes Museum und damit die perfekte Ergänzung zum AutoMuseum, dem „Mekka“ der Volkswagen Fans. Der „totale Autofan“ empfand die Leitung des AutoMuseums als „ein Geschenk, das einem nur einmal im Leben“ passiert, und das er einfach annehmen musste. Der „SP2“, ein hierzulande nahezu unbekanntes Sportcoupé aus Brasilien, ist Eberhard Kittlers Lieblingsauto im Museum, aber eigentlich liebt er jedes einzelne Gefährt, das den Weg in diese Hallen findet. Und natürlich die Geschichte, die hinter jedem Fahrzeug steckt. Viele Sammel-Objekte haben vor allem einen ideellen Wert, wie z. B. der Jubiläums-Käfer, dem letzten offiziell nach Europa exportierten 1.200er Käfer, auf dessen Motorhaube Unterschriften gesammelt wurden. Futuristisch mutet der Umbau eines Golf 1 Cabriolets an, der mit seitlich schwimmenden Pontons und 175 PS als sogenannter „Seegolf“ 1983 beim GTI-Treffen am Wörthersee von Ufer zu Ufer „fuhr“. Einige der anderen Hauptdarsteller in dem Museum sind z. B. aus Legosteinen oder Holz gefertigte Käfer. Für Eberhard Kittler müssen im Prinzip alle Fahrzeuge, „die bis gestern gebaut wurden, aufbewahrt werden“. Die „jüngsten“, die hier stehen dürfen, sind Serienfahrzeuge aus den 90-ern, wie Golf 5 oder Passat B5. Eine Rarität ist Filmstar „Herbie“, der berühmte selbstfahrende Käfer mit eigenem Charakter. Viele der anderen Fahrzeuge wurden vor der Verschrottung gerettet oder völlig verwahrlost in irgendwelchen Gärten oder Garagen entdeckt und aufbereitet. Manche wiederum sind Schenkungen oder Leihgaben von Besitzern, die gerne auch andere Menschen mit ihren historischen Automobilen erfreuen möchten. Aktuell sind das drei H-Roadster, die in den 70-er und 80-er Jahren von Jannie Hübers entwickelt und mit der bewährten Technik luftgekühlter Volkswagen-Modelle in Kleinstserie erbaut wurden. Übrigens wird kaum eines der ausgestellten Fahrzeuge noch im Straßenverkehr eingesetzt. Die fast hundertprozentigen Originale sind Referenzfahrzeuge.

„WOB-007“

Automuseum Wolfsburg

Ausstellung „WOB-007“ / Foto: Stefanie M. Brakel

Zehn feste Mitarbeiter und viele ehrenamtliche Enthusiasten sind derzeit im AutoMuseum tätig. Ihr jüngstes Projekt ist das sogenannte „Motoren-Kabinett“, in dem sie vor allem alte, nie verbaute Motoren- und Forschungsaggregate zeigen, darunter auch den von Ferdinand Piëch auf einem Briefumschlag skizzierten W18-Motor sowie 40 Jahre alte Farbmustermodelle im Maßstab 1:4. Neben der Dauerausstellung präsentiert das AutoMuseum wechselnde Sonderausstellungen. Noch bis zum 4. März 2018 zeigt „WOB-007“ die schönsten Dienstwagen von James Bond. Das waren bekanntlich keine Volkswagen, aber für den britischen Agenten macht das Museum gerne eine Ausnahme und zeigt den Aston Martin DB5, den Lotus Esprit und dazu die extravaganten Kostüme der Schauspieler. Auch größere Events, Themenabende, Konzerte, Lesungen oder Workshops finden in dieser einzigartigen Kulisse statt. Wer bereits einen klassischen Volkswagen besitzt und mehr über sein Schmuckstück erfahren möchte, kann über die Website in den Urkunden-Generator gelangen und ein Zertifikat für sein Fahrzeug bestellen. Mit kleinerem Geldbeutel lassen sich die Klassiker als Miniaturmodell erwerben, entweder im Museum oder online. „Dieselgate“ und das digitale Zeitalter zeigen bisher keine Auswirkungen auf die Besucherzahlen, was auch die liebevollen Faneinträge ins Gästebuch beweisen. Was dem Leiter des AutoMuseums noch zu seinem Glück fehlt? „Auf alle Fälle mehr Depotfläche, eine bessere Anbindung an die Wolfsburger Innenstadt und ein Volkswagen Porsche 914 in ausstellungsreifem Zustand, weil der Themenbereich „Luftgekühlte“ dann komplett wäre.

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Sonderausstellung bis 17. Juni 2018: Der chilenische Künstler Enrique Munoz García präsentiert „Women with Beetles“, seine einzigartige Sammlung privater Amateuraufnahmen von Frauen mit (Volkswagen) Käfern

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