CongressPark Wolfsburg / Foto: Andreas Bräunlich

Hidden Places am Klieversberg

Julia Lübcke, Magazin, Unterhaltung

Wie viele Gebäude in Wolfsburg stammt auch der CongressPark aus der Feder von Peter Koller. Die Eröffnung der ursprünglichen Stadthalle fand im Jahre 1958 mit einer Ausstellung des Malers Lovis Corinth statt. Das Veranstaltungszentrum war jedoch nicht nur für Konzerte und Ausstellungen vorgesehen, sondern auch für schulische und sportliche Veranstaltungen.

Hinter den Kulissen der ehemaligen Stadthalle Wolfsburg

CongressPark Wolfsburg / Foto: Andreas Bräunlich

Unterhalb der Ränge verstecken sich die alten Tribünen / Foto: Andreas Bräunlich

Zu Beginn unserer Entdeckungstour verspricht uns Veranstaltungsleiter Christopher Hesse jede Menge verborgene Plätze – Hidden Places, wie er sie liebevoll nennt. Vom Verwaltungsbereich aus gelangen wir über ein Treppenhaus zuerst in einen sehr hohen Raum, der an eine Art Garage erinnert. Wir befinden uns hier direkt hinter der Bühne des Großen Saals. Christopher Hesse erklärt uns, dass durch das große Rolltor auch LKWs zum Be- und Entladen direkt bis an die Bühne fahren können. Ursprünglich ließ sich diese auf 20 cm Höhe herabsenken. Nachdem diese Funktion 2012 aus brandschutztechnischen Gründen stillgelegt wurde, ist der CongressPark momentan dabei, diese wieder instand zu setzen. Auf unserem weiteren Weg können wir im Großen Saal angekommen sogar einen Blick unter die Bühne werfen, um uns von den höhenverstellbaren Stützen zu überzeugen, die die 15 x 9 m große Bühne auf- und absenken können. Das Fassungsvermögen des Großen Saals beträgt maximal 2.642 Personen. Was man auch hier nicht auf den ersten Blick erkennt, sind die in den Wänden verbauten Licht- und Tonanlagen. Neben dem noch ursprünglich installierten Equipment stehen zusätzlich auch moderne Systems zur Verfügung. Die Bühne des Großen Saals ist in ihrer Entstehung für sehr aufwendige, theatrale Bespielungen ausgelegt worden. Daher verstecken sich hinter den Vorhängen kleine Kabinen, von denen aus verschiedene technische Systeme gesteuert werden können. Allgemein spielt die Technik in so einem Gebäude eine wichtige Rolle. Im Haus befinden sich daher zwei Trafostationen, die ursprünglich u.a. für die frühere Licht- und Tontechnik nötig waren, die enorm viel Strom verbrauchten. Heutzutage gilt es ganz andere Anforderungen zu bedienen. So muss beispielsweise bei 400 Tagungsgästen mit 2,7 mobilen Endgeräten pro Person rechnen, weshalb das komplette Gebäude glasfaserverkabelt ist und somit eine WLAN-Abdeckung von bis zu 1 Gbit/s im gesamten Haus ermöglicht.

Entdeckungstour durch das Theater

CongressPark Wolfsburg / Foto: Andreas Bräunlich

In der „Blackbox“ ist der Name Programm / Foto: Andreas Bräunlich

Unterhalb der Ränge verstecken sich die alten Tribünen, wie man sie aus klassischen Sporthallen kennt. Damals fanden hier die Hallen-Fußballturniere ihren Ursprung. In der Rückwand des Saals befindet sich das sogenannte Hochparkett, das bei Bedarf aus der Wand herausgefahren und bestuhlt werden kann. Ebenfalls in den Wänden versteckt sind mehrere Gastronomie-Stützpunkte. Jeder dieser Stützpunkte ist über einen Gastronomieaufzug mit der Großküche im Untergeschoss verbunden, um nicht durch die Gäste hindurchfahren zu müssen. Allgemein ist die komplette Infrastruktur und Logistik des Gebäudes so geschnitten, dass jeder Saal autark genutzt werden kann. Um jeden Gebäudeteil kann man sich ringsherum bewegen, ohne den Raum selbst zu betreten. „Das macht die Logistik ungemein einfach“, erklärt uns Christopher Hesse. 2018 war das bisher erfolgreichste Jahr für den CongressPark – kein Wunder bei 1.300 Belegungstagen im Jahr. Wie das geht? Durch die parallel nutzbaren Räume und Säle. Insgesamt 14 Mitarbeiter zzgl. Geschäftsführer sind im CongressPark tätig – davon sechs allein in der Technik. Oft werden zusätzlich externe Crews zur Unterstützung herangezogen. Die meiste Arbeit geschieht übrigens dann, wenn die Gäste es nicht sehen, teilweise sogar nachts. „Es gibt keinen Tag, wo nichts los ist – und sei es nur eine Brandschutzbegehung“, erzählt Christopher Hesse. Nach dem Großen Saal führt uns unsere Tour in den Spiegelsaal – die ursprüngliche Stadthalle. Hauptblickfang sind hier die tausenden Glasfliesen, die alle einzeln bewegbar sind und so eine wunderschöne Lichtstimmung im Saal zaubern. Hinter dem Spiegelsaal befindet sich der sogenannte „Rucksack“ – ein Gebäudeteil, der nachträglich an den Gebäudeteil des Spiegelsaals angesetzt wurde. Hier befinden sich mehrere Tagungsräume für 12 bis 14 Personen. Einer dieser Tagungsräume wurde einst extra für Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder zum Bundesparteitag umgebaut. „Ich habe gerade überlegt, ob ich hier einziehe“, scherzt unser Fotograf Andreas, als wir den schön eingerichteten Raum wieder verlassen. Der dritte und letzte Saal ist die „Blackbox“. „Hier ist der Name Programm“, sagt Christopher Hesse und er hat recht. Der Saal ist komplett in Schwarz gehalten und vollkommen verdunkelbar – eine Traumkulisse für szenische Produktionen.

Hoch hinauf

CongressPark Wolfsburg / Foto: Andreas Bräunlich

Ein Highlight befindet sich unter der Saaldecke in neun Metern Höhe / Foto: Andreas Bräunlich

Unsere vorletzte Station führt uns auf sieben Meter Höhe: dem Oberrang im Großen Saal. Hier befinden sich mehrere Räume mit unterschiedlichen Funktionen: zwei Dolmetscherkabinen, zwei Scheinwerfer-Räume, in denen sich noch heute die großen Verfolger von damals befinden, ein Projektorraum und der eigentliche Regieraum. Von hier aus kann man über den ganzen Saal blicken. Bei modernen Gastspielproduktionen werden diese Räume allerdings seltener eingesetzt, da man vieles bereits auf mobilen Endgeräten per App steuern kann und nicht mehr den Raumbedarf für die einstigen großen Licht- und Tonpulte benötigt. Doch es geht noch höher für uns hinaus. Ein ganz besonderes Highlight entdecken wir unter der Saaldecke in neun Metern Höhe: mehrere Motoren, Akustiksegel und Gitterboxen, in denen u.a. die Beleuchtung untergebracht ist. Auffällig sind zudem die enorm großen Seilzüge, die für die Vorhänge zuständig sind. Bevor es für uns zurück in die Verwaltung geht, biegen wir noch kurz in die Künstlergarderoben ab. Hier stehen den Künstlern mehrere Solisten- und Gruppenkabinen zur Verfügung. Mit einem Schminkspiegel, einem Tisch, einem Sofa sowie separaten Duschen und Toiletten ausgestattet, bewegen sich die Garderoben in der Größenordnung eines Theaters. Nach unserer Entdeckungstour sind wir erstaunt und begeistert zugleich. Für alle, die ebenfalls einen Blick hinter die Kulissen werfen wollen, empfehlen wir den „Tag der offenen Tür“ am 09.06.2019. An diesem Tag wird den Gästen gezeigt, was hier passiert, wenn man denkt, es passiert nichts: die Bestuhlung ändern, das Einleuchten, den Ton einstellen, Leinwände auf- oder abbauen, Beamer und Videotechnik installieren. Neben vielen kostenfreien Aktionen und Konzerten soll außerdem gezeigt werden wie flexibel und anlassbezogen die Raumgestaltung vorgenommen werden kann. „Wir wollen immer wieder Leute für das Haus begeistern“, sagt Christopher Hesse abschließend.