Imke Bendehalt hat sich mit der "Pinselei" einen Lebenstraum erfüllt. /Foto:FLOWWOLF

Kunstwerke voller Stolz

Magazin, Sandra Enskat, Unterhaltung

Das erste Gefühl, was ich hatte, als ich „Die Pinselei“ in der Seilerstraße 19 betrat, war ein warmes Willkommen. Das lag nicht nur an den hell eingerichteten Räumlichkeiten. Vor allem lag es an Imke Bendewald. Sie hat sich mit der Malwerkstatt einen Herzenswunsch erfüllt und strahlt das aus jeder Pore ihres Körpers aus.

Der Wunsch einer eigenen Malwerkstatt

Schon über ein Jahr betreibt Imke Bendewald die “Pinselei”. /Foto:FLOWWOLF

Die gebürtige Wolfsburgerin war in ihrem ersten Leben Beamtin in der Stadtverwaltung. Durch eine Zeitschrift wurde sie aufmerksam auf das kreative Bemalen von Keramik. Durch Recherche fand sie eine Malwerkstatt in Hannover. Diese besuchte sie regelmäßig mit ihrer Familie und dort bemerkte sie sehr schnell, wie viel Freude ihr das Bemalen von Keramik macht. Der Wunsch einer eigenen Malwerkstatt war geboren. Noch während der Elternzeit plante sie die Eröffnung der Pinselei, die im Februar 2020 ihr einjähriges Bestehen feiert.

Ich beobachte Imke bei der Einweisung neuer Kunden: Lächelnd erklärt sie, wie die Kunden ihre Keramik gestalten können und was zu beachten ist. Zunächst muss das Keramik abgebürstet werden, damit beim Brennen im Ofen keine Blasen entstehen. Sie beschreibt unterschiedliche Techniken: Stempeln, Blubbern, Punkten, Stanzen, Sprenkeln, Siebdruck und Kleben. Anregungen können sich die Kunden in Büchern und Heften holen, die Imke Bendewald auf der Theke bereitstellt. Aber natürlich steht die Inhaberin persönlich für jede Frage zu Verfügung. Die Regale sind gefüllt mit verschiedenen Farbflaschen. Vor jeder Flasche ist eine kleine Fliese mit drei Farbintensitäten, damit die Kunden sehen, wie sich die Farbe durch das Brennen verändert.

Sich kreativ ausprobieren

In der Pinselei kann man sich kreativ ausleben. /Foto:FLOWWOLF

Die Pinselei ist mit viel Liebe eingerichtet. Viel weiß und liebevolle Dekoration schmücken den Raum. Auf den Tischen stehen selbstgestaltete Tassen mit verschiedenen Pinseln und in den Regalen an der Wand verschieden bemalte Teller. Ich erkenne die Handschrift einer Frau, die mit Herzblut ihr Geschäft lebt. Am meisten werden Tassen, Teller und Bowls (Müslischalen) bemalt. Zur Auswahl stehen aber auch Seifenschalen, Figuren, Fressnäpfe, Kannen, Kuchenplatten, Butterdosen und vieles mehr. Die Rohkeramiken wählt Imke nach ihrem Geschmack aus. Dabei berücksichtigt sie natürlich auch Kundengeschmäcker, Trends (z.B. Einhörner) und Feierlichkeiten (Weihnachten, Ostern). Ganz aktuell im Trend scheint die Fliese zu sein. Hier hat Imke auf Kundenwunsch die Rohkeramik bestellt, welche nun von der Familie und Freunde einer Kundin bemalt werden, um so dem Fliesenspiegel in der Küche die persönliche Note zu geben. Zu ihr in die Pinselei kommen auch Gruppen. Ende letzten Jahres wurden zahlreiche Weihnachtsfeiern bei ihr ausgerichtet, aber auch Junggesellinnen-Abschiede und Teamevents stehen auf dem Programm. „Letztens hatte ich eine Betriebsrunde mit einer lustigen Idee“, erzählt mir Imke und lacht während sie aufsteht und mir das Ergebnis zeigt. Es ist eine Tasse mit Kussmündern drauf, die 14 Kolleginnen und ein Kollege für ihren abwesenden Kollegen gemacht haben.

Was auch mit großer Beliebtheit angenommen wird, sind Fußabdrücke von Babys. Hier kommen ganze Krabbelgruppen, um gemeinsam eine Keramik ihrer Wahl mit den Füßen ihrer Lieblinge zu verzieren. So entstehen wunderschöne Geschenke für Omas, Opas, Tanten, Onkel oder für sich selbst. Imke lächelt über das ganze Gesicht, als sie von der Findungsphase ihrer Kunden erzählt. „Es ist ein längerer Prozess“, beginnt Imke den Satz, als sie davon berichtet, wie ihre Kunden letztlich zu ihrem Kunstwerk kommen. Sie suchen zunächst nach Ideen. Sie lassen sich inspirieren von den Keramiken anderer Kunden, die im Regal auf Abholung warten. Imke hat mittlerweile einen Blick dafür, wenn die Kunden das gefunden haben, was sie malen wollen. Sie sieht das in ihren Gesichtern. Inspiriert von der bereits fertigen Keramik machen sie dann etwas ganz Individuelles. Es ist der Impuls, den es braucht, aber niemals eine Kopie. Jeder entwickelt was Eigenes daraus.

Jeder kann mitmachen

Es steht eine große Auswahl an Farben zur Verfügung. /Foto: FLOWWOLF

„Es ist schön zu sehen, wenn Kunden ihr Kunstwerk voller Stolz abholen“, sagt die Gründerin zufrieden. Bei einem Teamevent haben sich Kollegen ihre eigene Bürotasse designt. So hat jeder eine tägliche Erinnerung an das gemeinsame Event, sobald er diese Tasse nutzt. Das verbindet. Imke ist der Meinung, dass jeder Keramik bemalen kann. Es ist ganz einfach. Beim Malen entsteht die Kreativität ganz von selbst. Es braucht keine Vorkenntnisse. „Hauptsache, man kann einen Pinsel halten“, scherzt Imke und ergänzt, „und wenn das auch nicht geht, dann nimmt man einen Tupfer!“ Neben dem kreativen selbst gestalteten Kunstwerk schalten die Künstler auch noch ab, was einen schönen Nebeneffekt bietet. Durch das kreative Arbeiten ist die Person so im Fluss, dass die Zeit vergessen wird und nur noch im Hier und Jetzt gearbeitet wird. Eine Kunde kam einmal ganz gestresst in Imkes Malwerkstatt und wurde von Minute zu Minute entspannter beim Eintauchen in die Erstellung ihrer Keramik.