Im letzten Jahr erhielt der Weihnachtsmarkt erstmals Lob von allen Seiten nachdem es in den Jahren zuvor viel Kritik gegeben hatte. Verantwortlich für die Organisation und Weiterentwicklung des Weihnachtsmarktes in Wolfsburg ist Christopher Hesse von der Wolfsburg Wirtschaft und Marketing GmbH (kurz WMG). Als Abteilungsleiter Veranstaltungen verantwortet er die strategische Planung des Traditionsfestes in der Porschestraße.

„Wolfsburg tickt einfach ganz anders als andere Städte.
Ich meine das allerdings im positiven Sinne.“ Christopher Hesse

 

Herr Hesse, seit wann sind Sie verantwortlich für den Weihnachtsmarkt in Wolfsburg?

Im Mai 2012 habe ich die Stelle als Abteilungsleiter Veranstaltungen angetreten. Zu der Zeit ging gerade die Ära der Pagodenzelte auf dem Weihnachtsmarkt zu Ende, weil sich die Wolfsburger ein traditionelles Fest zurückwünschten. Die Frage war damals, ob wir den Vertrag mit der Agentur, die den Weihnachtsmarkt in den vergangenen fünf Jahren ausgerichtet hat, verlängern oder neu ausschreiben sollten. Schließlich wurde die Entscheidung getroffen, dass die WMG den Wolfsburger Weihnachtsmarkt zukünftig in Eigenregie veranstaltet.

Was waren die ersten Maßnahmen, die Sie kurzfristig umsetzen konnten?

Die Zeit war sehr knapp. Erst im August 2012 konnten wir mit den Planungen beginnen. Dadurch, dass die Akquise von Ausstellern zu der Zeit kein Selbstläufer war, mussten wir viel telefonieren und versuchen den Weihnachtsmarkt mit Ständen zu füllen. Man muss wissen, dass der Weihnachtsmarkt in Wolfsburg damals nicht zu den ersten Adressen in Beschickerkreisen (Anm. d. Red. Händler und Verkäufer auf dem Weihnachtsmarkt) gehörte, so dass viele der angefragten Beschicker fest an andere Weihnachtsmärkte gebunden waren. In der inhaltlichen Umsetzung haben wir einen 40 Meter hohen Stern als Neuerung in der Fußgängerzone installiert. Wir brauchten den Mast damals für die Showpremiere des fliegenden Weihnachtsmanns der bekannten Hochseilartistenfamilie Johann Traber. Auch wenn wir die Show in diesem Jahr nicht mehr im Programm haben, ist der Mast mit dem gut sichtbaren Stern zu einem Sinnbild für den Wolfsburger Weihnachtsmarkt geworden und wird daher auch dieses Jahr wieder auf dem Weihnachtsmarkt zu sehen sein. Außerdem wurden damals die Pagodenzelte durch traditionelle Holzhütten ersetzt. Aufgrund der Kurzfristigkeit konnten wir darüber hinaus erst einmal keine weiteren Neuerungen anschieben. Da wir die Entwicklung des Wolfsburger Weihnachtsmarkts intern aber ohnehin als Prozess verstanden haben, war klar, dass wir langfristig an der Optimierung der Standbesetzung und der Ausgestaltung des Marktes arbeiten müssen.

Welche Änderungen sind langfristig erfolgt bzw. sind noch geplant?

Ein Beispiel im Vergleich zu den Vorjahren ist die veränderte Beschickersituation. Diese ist 2015 so gut wie nie zuvor. Aktuell haben wir mehr Anfragen als verfügbare Standflächen. Und das, obwohl wir im Vergleich zu 2014 sogar die Anzahl der Stände von 44 auf 51 erhöht und dadurch den Weihnachtsmarkt in Richtung Norden verlängert haben. Der Markt beginnt damit erstmals bereits an der Rothenfelder Straße und ist von den designer outlets kommend sichtbar. Der Weihnachtsmarkt verändert sich kontinuierlich und wird stetig weiterentwickelt, so dass sich die Besucher auch in den kommenden Jahren auf weitere Neuerungen und Entwicklungen einstellen können.

 

Wann findet der Weihnachtsmarkt 2015 statt und was sind die geplanten Höhepunkte?

Der Weihnachtsmarkt wird am 23. November 2015 eröffnet und läuft dann bis einschließlich 29. Dezember 2015. Aufgrund der positiven Resonanz hat der Markt auch in diesem Jahr über die Feiertage geöffnet. Lediglich am ersten Weihnachtstag und am Vormittag des zweiten Weihnachtstages bleibt der Markt geschlossen. Darüber hinaus haben wir für den Weihnachtsmarkt an sichtbaren Eckpfeilern gearbeitet. Für die Kinder bieten wir das Haus des Weihnachtsmannes im Winterwald vor der City-Galerie an, das bereits ab dem ersten Jahr nicht mehr wegzudenken war. Dort erhalten Kinder und Kindergartengruppen die Möglichkeit, kostenlos unter pädagogischer Aufsicht der Familie Sterz zu basteln. Von Freitag bis Sonntag wird jede Woche der Weihnachtsmann mit Schlitten und Gespann zu Gast sein. Für die Erwachsenen bieten wir neben Kunsthandwerk auch Entertainment auf der Bühne mit Musik und Vorführungen an. Des Weiteren stellen wir die vier eigens für den Wolfsburger Weihnachtsmarkt gebauten Stände in Form von T1-VW-Bussen auf, die Vorgartenfiguren aus Holz, nostalgisches VW-Merchandising und Handwerkliches aus Holz anbieten. Der Weihnachtsmarkt soll sich individuell an Wolfsburg anpassen, aber dennoch traditionell sein. Mit den VW-Bullis haben wir diesen Bogen perfekt geschlagen.

Vergleichen Sie sich gerne mit dem Braunschweiger Weihnachtsmarkt?

Der Vergleich hinkt. Braunschweig ist eine viel ältere Stadt mit einem historischen Stadtkern, einem gestandenen und entwickelten Weihnachtsmarkt und tollem Händlerbesatz. Wir haben einen sehr guten Draht zum Stadtmarketing Braunschweig. Wir tauschen uns regelmäßig über aktuelle Entwicklungen und Trends aus, gerade wenn es um Projekte geht, die beide Städte betreffen. Jede Stadt hat ihren eigenen Charme, und eben auch ihren eigenen Weihnachtsmarkt.

Der Braunschweiger Markt hat seit jeher einen sehr guten Ruf.

Das stimmt. Und auch in Wolfsburg sind wir auf einem guten Weg. Wir schauen aber auch auf die Gegebenheiten vor Ort. Zu Beginn meiner Tätigkeit gab es eine Bürgerbefragung. Das ist die Grundlage für den Neustart und die kontinuierliche Weiterentwicklung des Wolfsburger Weihnachtsmarktes. Wolfsburg tickt einfach ganz anders als andere Städte. Ich meine das allerdings im positiven Sinne. Dieser Herausforderung stellen wir uns und optimieren immer weiter. Letztes Jahr gab es nach all den Jahren der Kritik nur positive Rückmeldungen.

Hat Sie das überrascht?

Inhaltlich nicht. Allerdings habe ich die ganze Zeit darauf gewartet, dass noch etwas kommt. Wahrscheinlich eine Berufskrankheit.

Wann beginnen Sie mit der Planung und wie groß ist das Organisationsteam?

Um den Weihnachtsmarkt kümmern wir uns das ganze Jahr mit 1,5 Stellen. Die Planung für 2016 beginnt während der Umsetzung des diesjährigen Weihnachtsmarktes. Wir sprechen dann bereits mit den Ausstellern und erkundigen uns, ob sie nächstes Jahr wiederkommen wollen. Die Bewerbungsphase endet dann allerdings erst Ende Mai 2016, so dass wir danach mit den inhaltlichen Aufgaben beginnen und uns Fragen beantworten müssen.

Nennen Sie mal ein paar Fragen, die sich stellen!

Bringt der Beschicker Steh- und Sitzmobiliar mit? Wo befindet sich die Eingangstür der Hütte? Wird Strom benötigt, wenn ja, wieviel Ampere? Ist Frischwasser notwendig? Braucht der Bestücker ein Lager? Wann können einzelne Gewerke aufgebaut werden, so dass alle rechtzeitig an ihrem Platz sind? Ändern sich die Größen der Stände? Haben alle Bestücker die Verträge unterschrieben und die Standmiete bezahlt? Wie gestaltet sich das Rahmen- und Bühnenprogramm? Reicht das? (lacht)

Ja das reicht! Wie weit sind Sie auf dem Weg eine Marke aus dem Weihnachtsmarkt zu entwickeln? Was sind hierbei die Eckpfeiler, die sich jährlich wiederholen?

Wir haben 2014 einen fünfköpfigen Beirat gegründet, der sich aus den Händlern zusammensetzt. Daraus ist ein Marktmeister hervorgegangen, der für die Händler direkter Ansprechpartner ist, weil wir nicht ständig vor Ort sein können. Einmal im Quartal gibt es ein Meeting, wo wir über den aktuellen Stand der Planungen sprechen. Zudem haben wir einen Standard für uns entwickelt, an den sich alle Partner halten müssen. Für die Wiedererkennung gibt es ein sich wiederholendes Layout, alle Stände müssen gewisse Dekorationen umsetzen. Selbst bei den Mülltonnen nehmen wir identische Holzmülltonnen, um ein einheitliches Bild zu schaffen. Der Stern hat es zudem zu einem sichtbaren Erkennungszeichen gebracht. Alles kleine Schritte, um den Weihnachtsmarkt in Wolfsburg zu etablieren.

Was wünschen Sie sich vom Besucher des Weihnachtsmarktes?

Dass er den Weihnachtsmarkt oft besucht und sich freut, dass es diesen in der Form gibt. (lacht) Es gibt viele Hindernisse auf dem Weg dorthin und wir sind bereit diese anzugehen. Zudem würde ich mir wünschen, dass unser Programm gut angenommen wird, weil hier nicht nur viel Geld investiert wird, sondern viele Wolfsburger Gruppen, Bands und Chöre mitwirken. Es ist immer schön zu sehen, wenn dieses Engagement auch entsprechend vom Publikum gewürdigt wird. Und ich wünsche mir Neugierde.

Inwiefern?

Wir haben 500 knapp vier Meter hohe Bäume, die wir auf dem gesamten Weihnachtsmarkt verteilen. Somit kann man den Markt nicht mehr komplett überblicken und muss den Markt ablaufen, um zu entdecken, was einen noch alles erwartet. Gleichzeitig erreichen wir mit der neuen Platzgestaltung, dass die doch recht großzügig wirkende Fußgängerzone viel enger und gemütlicher wirkt.

Können Sie noch auf die Hindernisse eingehen?

Es ist nicht ganz so einfach die Porschestraße mit einer Outdoor-Veranstaltung zu bespielen. Die örtlichen Gegebenheiten geben das zum Teil gar nicht her. Ein Beispiel: Wir müssen eine Zufahrt für die Feuerwehr im Brandfall freihalten, die sich wie ein unsichtbarer Schlauch durch den Weihnachtsmarkt zieht. Dieser Bereich darf nicht bespielt werden und für den Besucher wirkt es dann eher so als fehlten Stände. Zwischen den Bänken und Spielgeräten brauchen wir zudem einen Abstand von 1,5 Metern. Wir versuchen das zu lösen, indem wir ca. 15 Inseln bauen mit einem Stück Wald oder zu der sehr schönen Winterbeleuchtung auch noch zusätzliche Überspannungen mit LED-Lichterketten schaffen, um den Markt gefühlt nicht „abreißen“ zu lassen. Teilweise sind wir auch beim verfügbaren Strom an die Belastungsgrenzen gestoßen.

Eine letzte Frage aus lokaler Sicht. Gibt es auch Händler aus der Region?

Oh ja. Zu nennen sind hier zum Beispiel die Wolfsburger Traditionsunternehmen Ross-Spezialitäten Menzel, der Sülfelder Korn und Voß & Söhne. Uns ist es ein besonderes Anliegen, lokale Händler auf dem Wolfsburger Weihnachtsmarkt verstärkt einzubinden und den Besuchern ein abwechslungsreiches und winterliches Speisen- und Getränkeangebot anbieten zu können.

 

 

INFOBOX

Weihnachtsmarkt Infos online

 

Über Christopher Hesse:

Der Diplom-Betriebswirt (BA) studierte an der Berufsakademie Ravensburg Messe-, Kongress- und Eventmanagement und machte an der Open University London zusätzlich einen Bachelor of Arts in Eventmanagement. Er ist Buchautor, Familienvater und leidenschaftlicher Eventmanager. Als Abteilungsleiter Veranstaltungen bei der Wolfsburg Wirtschaft und Marketing GmbH (kurz WMG) plant er u.a. das Stadtfest, den Weihnachtsmarkt, offizielle Empfänge (z.B. Pokalsieg des VfL Wolfsburg), Public Viewing, Jazz & more und das Gourmetfest.

 

 

Hinterlassen Sie eine Antwort

4 − zwei =