Zu Gast bei Nando

Das Bistro Nando ist nun seit 15 Jahren Teil von Wolfsburg. Grund genug, uns mit dem Inhaber und Koch des Cafés zu unterhalten.

von Kai Schelenz

Wenn man in Wolfsburg „bei Nando“ sagt, dann weiß eigentlich jeder was gemeint ist. Wie fühlt sich das für dich an?

Das ist sehr persönlich. Ich wollte mal einen Scherz machen und das Lokal „Das Nando“ nennen, wie bei Volkswagen „Das Auto“. Es ist wirklich schön, dass die Leute mich mit meinem Restaurant verbinden. Das war aber auch schon immer so, wenn ich in anderen Restaurants gearbeitet habe. Die Leute kamen da irgendwie schon zu „Nando“.
Es hätte also keinen besseren Namen für mein Bistro geben können. Die Neuankömmlinge in Wolfsburg wissen zwar wo wir sind, aber wissen nicht, dass ich selbst bediene oder an der Bar mal gegenüber sitze. Das ist schon sehr schön, ich bin meinen Gästen gerne nah.

Was zeichnet dein Lokal aus?

Bistro Nando im Interview bei FLOW WOLFEs ist eben sehr persönlich hier. Man kennt sich und spricht miteinander. Selbst wenn jemand allein kommt und sich an die Bar setzt, kann er sicher sein, dass er nicht lange allein ist. Wir beziehen unsere Gäste gern mit ein. In Köln oder Düsseldorf ist das Gang und Gebe, wieso dann nicht auch in Wolfsburg?

Du bist jetzt seit 15 Jahren auf der Piazza Italia dabei. Sah Wolfsburg damals anders aus?

Extrem, ja! Es gab noch nicht so viele Lokalitäten. Vapiano, Sausalitos, Bar Celona, das gab es ja alles noch nicht. Das war alles ein bisschen grauer hier. Es sah nicht sehr hübsch aus. Aber da gab es noch das Wallenstein. Und das Empires, da habe ich mal als Betriebsleiter gearbeitet. Ich blieb damals in einem Objekt nicht länger als ein Jahr, dann wurde ich abgeworben und habe ein Geschäft nach dem anderen strukturiert und nach oben gebracht. Dann ging es weiter zum nächsten Geschäft. Das habe ich jahrelang gemacht. Bis ich mich dann für dieses Objekt entschieden habe. Dass ich bereits in so vielen Lokalen gearbeitet hatte, hat mir geholfen, als ich mich selbständig gemacht habe. Ich kannte viele Leute und viele Leute kannten mich.

Das heißt du bist eigentlich schon immer Gastronom?

Ich war zuerst 4,5 Jahre im Werk, war aber vorher schon mal Pizzabäcker. Im Werk war es mir zu eintönig. Ich musste jeden Tag das Gleiche machen, das war nichts für mich. Also habe ich zum Hotelfachmann umgeschult. Das war im Holiday Inn damals. Dann habe ich mich entschieden fünf Jahre lang durch Deutschland zu reisen. Ich bin immer so für acht Monate bis ein Jahr in einer Stadt geblieben, bevor ich weiter zog. Irgendwann kam ich aber wieder zurück. Auch, weil ich Football in der Bundesliga gespielt habe, damals bei den Braunschweiger Lions. Das war auch ganz gut, ich konnte mir da weiterhin meinen Bekanntenkreis aufbauen, damit die Leute zu mir essen kommen, wenn ich mal selbständig sein sollte.

Und wann wolltest du dein eigener Chef sein?

Bistro Nando im Interview bei FLOW WOLFIch habe schon 1994 davon geträumt, mich selbstständig zu machen. Ich wollte immer schon ein eigenes Café oder eine Bar. Und dann kam es dazu. Mein Freund Maik hatte mir von dieser Immobilie hier erzählt. Das muss so 1998 oder 1999 gewesen sein. Da sah es hier drin aber noch anders aus, es war vor allem kleiner. Wenn hier drei Kinderwagen drinnen standen, dann war das Café schon voll.

Was ist dann passiert?

Ich habe dann drei Jahre gekämpft, um den Bau größer zu machen. Das Problem war aber der Denkmalschutz. Das war nicht immer einfach. Ich habe den Leuten vom Denkmalamt dann erzählt, dass ich gern länger hier bleiben würde, aber dafür eben mehr Platz bräuchte.

Was war denn so schwierig daran, den Bau zu vergrößern?

Mein Gegenüber, Massimo Pisu, hat von der Fläche den gleichen Laden wie ich. Und die Auflage war, dass alles in dieser Straße symmetrisch sein musste. Dann bin ich einfach zu Massi gegangen und habe ihn gefragt, ob er nicht auch den Durchbruch entfernen will, um seinen Friseursalon größer zu machen. Er hat sich das dann überlegt und ja gesagt. Dann konnte es losgehen.

Wer kocht zu Hause?

Bistro Nando im Interview bei FLOW WOLFMeistens meine Lebensgefährtin, meine Frau, wie ich sie nenne. Sie kocht für die ganze Familie, wenn ich arbeiten bin. Und manchmal kocht sie auch für mich. (lacht) Wir kochen aber nicht immer zu Hause. Meine Tochter kommt auch häufiger mal hier essen.
Unser Thema in der aktuellen Ausgabe ist „Verliebt in Wolfsburg“. Bist du verliebt in Wolfsburg?
Ich sag’s mal so: Ich habe es lieben gelernt. Es hat sich hier schon verändert. In den Neunzigern, der Blütezeit der Kaufhofpassage, da ging es richtig ab. Die Leute kamen von überall her, um in Wolfsburg zu sein. In der Zeit hat man viele Freundschaften aufgebaut und gepflegt. Man war immer irgendwie zu Hause, wenn man in Wolfsburg unterwegs war. Besonders in der Zeit, als ich viel außerhalb gearbeitet habe, habe ich es genossen, hier herzukommen. Man liebte die Stadt auf seine eigene Weise. Es war eben alles viel persönlicher damals.

Hat sich das verändert?

Ja, das ist leider immer weniger geworden.

Also hatte man früher mehr Zeit?

Definitiv. Und mehr Spaß, weil die Leute es zugelassen haben. Du hast dir die Zeit einfach genommen, um mal ein Bierchen zu trinken. Jetzt kommen viele nur zum Arbeiten nach Wolfsburg. Man ist gestresster. Die Leute kommen von der Arbeit, gehen schnell einkaufen, machen den Haushalt und dann gehen sie ins Bett. Früher ist man ins Bett gegangen, weil man müde war. Heute gehen die Leute ins Bett, weil es 22:00 Uhr ist und sie arbeiten müssen. Die Gemütlichkeit wird von vielen oft nicht mehr gelebt.

Wie kamst du nach Wolfsburg?

Ich bin hier geboren. Meine Eltern sind 1962 hergekommen. Das klassische Modell: Gastarbeiter bei Volkswagen und dann hier geblieben. Mein Vater mochte die Stadt sehr, genau wie ich. Meine Lieblingsstadt ist zwar Hamburg, aber Wolfsburg ist mein Zuhause.
Ich habe italienisches Blut, denke aber deutsch.

Wie müssen wir uns das vorstellen?

Wenn Deutschland spielt, bin ich für Deutschland. Außer, wenn sie gegen Italien spielen. Dann bin ich natürlich für Italien.

Was magst du an unserer Stadt?

Ich mag sie einfach, weil ich hier lebe. Deswegen höre ich es nicht gern, wenn Leute sagen, dass es eine Scheißstadt sei. Man muss Wolfsburg erst mal kennen, um darüber zu urteilen. Auf Wolfsburg muss man sich einfach einlassen.

Zurück zu „Verliebt in Wolfsburg“. Hast du deine Frau hier kennengelernt?

Ja, sie war Gast bei mir. Das war lustig, ich habe im Café gefragt, ob jemand einen Schlafsack hat und sie hat ja gesagt. So haben wir uns kennengelernt. Nun sind wir schon 14 Jahre zusammen und haben zwei Kinder.

Was magst du nicht so gern an Wolfsburg?

Wolfsburg ist leider sehr materiell. Viele Leute lassen die Persönlichkeit kaum zu. Dabei kann Wolfsburg so schön sein. Es ist jung. Es wächst. Die Wolfsburger müssen das nur erkennen. Es ist natürlich schwierig, weil viele nur zum Arbeiten herkommen und dann am Wochenende ganz woanders bei ihrer Familie sind. Wolfsburg wird dadurch sehr anonym. Deswegen fällt es wohl manchen auch sehr schwer, hier Anschluss zu finden.

Was kann man dagegen machen?

Eigentlich passiert da schon viel. Mit dem „Vapiano“, dem „Eat with heart“ oder den Bars drumherum hat sich schon viel verändert. Es gibt hier auch kleine Kneipen, die viele gar nicht kennen. Manchmal fehlen den Leuten wohl noch ein paar Insidertipps.

Wie zum Beispiel zu Nando zu gehen?

(lacht) Ja genau, das wäre natürlich ideal!

Kannst du schätzen, wie viele Gäste du schon bedient hast?

(lacht laut) Ach herrje, nein das kann ich nicht. Es gibt so viele Leute, die hier herkommen. Manche kommen sogar mehrmals täglich. Und wenn wir Feuerzangenbowle haben, dann sind es manchmal 1.000 Leute pro Tag. Das kann ich einfach nicht zählen. Ich kann dir nur sagen, was ich an Miete und Steuern zahlen musste: (zwinkert) Viel, viel, viel!

Was muss man in Wolfsburg gesehen haben?

Auf jeden Fall das Hasselbachtal, die Autostadt und die kleinen versteckten Bars und Kneipen. Dafür muss man aber ein paar Schritte gehen. Auch das VW-Werk und das VfL-Stadion lohnen sich. Ach, und der Allerpark. Der ist ganz schön groß geworden. Ich glaube, dass sich da in den nächsten Jahren noch einiges tun wird.

Im Sommer veranstaltest du immer deinen eigenen „Sommernachtstraum“. Ist der Sommer auch deine Lieblingsjahreszeit?

Nein, am liebsten mag ich das Frühjahr. So im Mai, wenn es langsam in den Sommer übergeht. Es ist schön, wenn alles blüht. Auch das Klima ist herrlich. Und das sage ich, obwohl ich als Allergiker zu dieser Zeit besonders zu kämpfen habe. Ich mag den Sommer auch nicht so gern, weil er eben nie so richtig da ist. Früher waren es drei Wochen Sommer, da konnte man sich drauf einstellen. Heute ist es an dem einen Tag Sommer und an dem anderen wieder nicht. Der letzte echte Sommer war 2006. Das war übrigens als Italien Weltmeister wurde. (lacht) Da haben wir jeden Tag gegrillt.

Wenn du in die Zukunft schaust, wie sehen die nächsten 15 Jahre aus? Was wünschst du dir?

Ich möchte gesund bleiben und meine Kinder aufwachsen sehen. Klar wäre es auch schön, wenn es mit dem Café weiter gut läuft. Vielleicht kann ich irgendwann mal expandieren. Es ist zwar nicht so, dass ich es unbedingt will. Wenn sich aber die Gelegenheit ergibt und das Objekt passt, dann kann ich mir das schon gut vorstellen. Wer weiß was noch kommt. Aber die Familie ist mir doch das Wichtigste. Ich bin kein Materialist. Wenn ich mit meiner Familie essen gehe, dann soll aber keiner auf die Preise schauen müssen. Denn wir sind dann zusammen unterwegs und dann soll es uns auch gut gehen. Ich mache gern Menschen glücklich.

Und aus Wolfsburger Sicht?

Da glaube ich, dass Wolfsburg noch ganz schön wachsen wird. Eine richtige Metropole wird das, da bin ich mir sicher. Das ist gut für uns alle; ich bin gespannt.

Wie sieht ein typischer Feierabend bei dir aus?

Wenn wir hier fertig sind, dann lasse ich den Abend erst mal ausklingen. Wir setzen uns dann zusammen, manchmal kommt der Ein oder Andere noch rein, auch wenn wir geschlossen haben. Dann trinken wir noch einen Absacker. Das muss nicht immer Alkohol sein. Oh, und ich tanze gerne, das mache ich auch schon sehr lange. Es ist schön nach der Arbeit runter zu kommen. Manchmal schaue ich auch noch in einem anderen Lokal vorbei. Ich schalte gerne ab. Das kann dann auch mal eine Stunde dauern. Dann gehe ich nach Hause und schaue Nachrichten. Sehr lang sogar.
Ich schlafe recht wenig, bin aber trotzdem kein Morgenmuffel. Morgens bringe ich meine Tochter zur Schule und verbringe vorher die Zeit mit der Familie. Das genieße ich sehr. Meine Familie, meine Eltern und meine Geschwister sind mir sehr wichtig. Aber ebenso auch meine Mitarbeiter.

Noch eine Frage bevor wir zum Abschluss kommen. Was wolltest du werden, als du klein warst?

Ganz ehrlich? Ich wollte Schauspieler werden. Ich habe das sogar schon mal versucht und mache das heute noch zwischendurch. Wir machen manchmal kleine Filme mit einem guten Freund einer Wolfsburger Filmfirma. Da kann ich mich dann austoben.

INFOBOX

Website: www.bistronando.de
Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag von 10.00 bis 22.00 Uhr
Freitag und Samstag von 10:00 bis 24.00 Uhr
Sonntag von 10:00 bis 14:00 Uhr
Adresse:
Bistro nando
Goethestraße 51
38440 Wolfsburg

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